„Think Big, start Small!“ Städtischer Musikverein zu Düsseldorf plant den Aufbau eines „kooperativen Archivs“

160715_Musikverein Düsseldorf_Logo„,Think Big, Start Small‘: Diese Philosophie ist inzwischen in vielen Unternehmen angekommen – zu Recht. Der Einstieg in die Digitalisierung bedarf eines neuen Denkens und einer Vision, nicht zwingend aber der Mammutprojekte und einer bis ins letzten ausgefeilten Strategie“[1]. Was für Unternehmen gilt, darf mit Blick auf die Entwicklung eines “kooperativen Archivs”[2] auch für das Archivwesen Gültigkeit beanspruchen.Es ist wichtiger, den ersten Schritt zu tun, als auf das „perfekte Werk“, das „perfekte Konzept“ zu warten und infolgedessen den Anschluss zu verlieren. Allerdings soll bei allem Aufbruch-Szenario auch die Qualität nicht auf der Strecke bleiben. So hat sich das ehrenamtlich betreute Archiv des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf dazu entschlossen, kooperativ an den Aufbau seines Archivs im eigentlichen Sinne sowie an die Erschließung der bisher ungeordnet und unverzeichnet vorliegenden, in Stahlschränken aufbewahrten Unterlagen heranzugehen. Es handelt sich um eines der ersten, vielleicht sogar um das erste Projekt dieses Zuschnitts im deutschen Archivwesen.

Was ist zu tun?

  • gemeinsame Erarbeitung eines Gesamtkonzepts für das „kooperative Archiv“ des Musikvereins

In diesem Rahmen zu klärende Fragen dürften (u. a.) sein:

  • Sichtung und Ordnung des Archivguts, das sich noch in völlig unerschlossenem Zustand befindet
  • Überlegungen zu Klassifikation und Tektonik der Bestände: Welche Ordnung, welche Struktur gebe ich dem einzurichtenden Archiv?

Eine nützliche Handreichung bietet in diesem Zusammenhang die online verfügbare Präsentation zum Workshop „Vorbei und vergessen? Die Lösung: das Vereinsarchiv!“ des Kreisarchivs Siegen-Wittgenstein vom 14. April 2016[3].

  • Organisation und Koordination der im Idealfall kooperativ erfolgenden Erschließung mit MidosaXML
  • Konzept für künftige Lagerung/Aufbewahrung des Archivguts
  • Prüfung, ob zum jetzigen Zeitpunkt ein Digitalisierungsprojekt sinnvoll bzw. realisierbar ist
  • Erörterung der Frage, was mit den bereits existierenden „born digitals“ geschehen soll (z. T. sind diese nicht ausdruckbar)
  • Vorstellung der Ergebnisse auf einer Fachtagung im Jubiläumsjahr 2018 (200 Jahre Musikverein)

Die Vorsitzende des Vereins für Computergenealogie, Marie-Luise Carl, benannte im Rahmen des 9. Detmolder Sommergesprächs im August 2015 in einem ganz anderen Zusammenhang Kriterien, die auch für den Aufbau eines „kooperativen Archivs“ zu beachten sind:

  • eine möglichst verständliche Ordnung
  • eine Dokumentation dieser Ordnung
  • die Prüfung durch Dritte, „ob das eigene Archiv selbsterklärend ist”[4]

Voraussetzung für das Gelingen der Unternehmung ist die rege Beteiligung aus den Reihen der so oft beschworenen „Community“. Wer sich also in Archivwesen, (historischer) Musikwissenschaft und/oder Regionalgeschichte beheimatet fühlt und gerne bei diesem Projekt mitwirken möchte, ist herzlich willkommen, dies zu tun.

Interessierte wenden sich an: m.schlemmer@musikverein-duesseldorf.de

 

Weitere Informationen zum Städtischen Musikverein zu Düsseldorf e.V. finden Sie unter www.musikverein-duessldorf.de

 


 

[1] Dieser Begriff ist dem zwar weit verbreiteten, aber unglücklichen Begriff der „Kollaboration“ respektive des „kollaborativen Arbeitens“ vorzuziehen. So konstatiert in Bezug auf „netzbasierte kooperative (collaborative) Arbeitsformen“ Stäcker, Thomas, Creating the Knowledge Site – elektronische Editionen als Aufgabe einer Forschungsbibliothek, in: Bibliothek und Wissenschaft 44 (2011): Digitale Editionen und Forschungsbibliothek. Beiträge der Fachtagung im Philosophicum der Universität Mainz am 13. und 14. Januar 2011, hrsg. von Christiane Fritze, Franz Fischer, Patrick Sahle und Malte Rehbein, Wiesbaden 2011, S. 107-126, hier S. 119: „Das in diesem Kontext oft verwendete ,kollaborativ‘ hat im Deutschen eine andere Bedeutung als im Englischen“. Von historisch Sensibilisierten sollte man erwarten dürfen, dass sie den Begriff der „Kollaboration“ nicht so leichtfertig und ohne Bedacht verwenden.
[2] Werner Bick, Generalbevollmächtigter der ROI Management Consulting AG, im Interview mit Christina Lynn Dier (Wir stehen noch am Anfang, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. April 2016, Verlagsspezial „Produktion der Zukunft“, S. V 2).
[3] Vgl. http://www.siwiarchiv.de/?p=11946 (Abruf vom 01.07.2016).
[4] Vgl. den Tagungsbericht: Greboggy, Rafael, 9. Detmolder Sommergespräch. Familiengeschichten, Schatztruhen, und andere Archive, in: Archivar 68,4 (2015), S. 371f., hier S. 372.

 

 

Zitierweise:
Schlemmer, Martin: „Think Big, start Small!“. Städtischer Musikverein zu Düsseldorf plant Aufbau eines „kooperativen Archivs“ , in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 18.07.2016, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2016/07/koop-archiv-musik-duesseldorf/

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Dr. Martin Schlemmer

Dr. Martin Schlemmer

Studierte in Bonn Geschichte ∙ Arbeitete von 2005 bis 2009 beim Landesarchiv Baden-Württemberg ∙ Seit 2009 beim Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abt. Rheinland, Arbeitsschwerpunkte: Betreuung oberster und oberer Landesbehörden, Edition der Kabinettsprotokolle der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Seit Juni 2016 im Fachbereich Grundsätze, Zuständigkeit: Archivierung elektronischer Unterlagen
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