Friedenschließen und kein Ende? Von der Aktualität frühneuzeitlicher Friedenskongresse Öffentliche Podiumsdiskussion

Was gibt es nach zwei Konferenztagen, die den Westfälischen Friedenskongress (WFK) von zahlreichen Seiten beleuchten, noch zu sagen?

Eine ganze Menge, so hoffen wir – in der abschließenden öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema „Friedenschließen und kein Ende? Von der Aktualität frühneuzeitlicher Friedenskongresse“. Als Bundesaußenminister hat Frank-Walter Steinmeier wiederholt auf die Attraktivität eines Modells der Friedensfindung nach Vorbild des WFK für den Syrienkonflikt hingewiesen.[1] Auch die Seminarreihe „A Westphalia for the Middle East“, die unter Leitung des britischen Historikers Brendan Simms (Cambridge) und in Kooperation mit der Körber-Stiftung durchgeführt wurde, greift diesen Gedanken auf.[2] Der WFK sah sich vor die Herausforderung gestellt, hochkomplexe religiös-konfessionelle Konfliktlagen zu entschärfen und parallel dazu Auseinandersetzungen um Staatsbildungsprozesse nach Innen und Außen beizulegen – alles Themen und Problemfelder gegenwärtiger Auseinandersetzungen in Afrika, dem Nahen Osten und Südosteuropa. Steinmeier gibt einen ersten Hinweis zur Friedensfindung: „Wer den Frieden will, kann nicht gleichzeitig vollständige Wahrheit, Klarheit und Gerechtigkeit erwarten.“[3] Der Fokus der abschließenden Podiumsdiskussion soll allerdings nicht auf den Konflikten im Nahen Osten liegen, vielmehr stellt sich die Frage, ob die Darstellung der Komplexität historischer Friedensschlüsse für gegenwärtige Schwierigkeiten von Friedensfindung sensibilisieren kann.

Unter Leitung der Würzburger Historikerin Anuschka Tischer diskutieren der Leiter der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel, Peter Burschel, der Leiter des Bonner Zentrums für Historische Friedensforschung und Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte, Michael Rohrschneider, der Historiker Michael Kaiser (Bonn) sowie der Berliner Historiker Patrick Milton, auf welche Weise eine solche Sensibilisierung geschehen kann.

Prof. Dr. Anuschka Tischer ist eine ausgezeichnete Kennerin nicht nur des WFK. Sie hat auch den Weg zum Krieg untersucht und sich in ihrer Habilitationsschrift intensiv mit frühneuzeitlichen Kriegsbegründungen auseinandergesetzt.[4]

Auf dem Podium sind Krieg und Frieden ausgeglichen verteilt: Prof. Dr. Peter Burschel hat sich in seiner Forschung besonders mit den Fragen nach Gewalt und Alltag des Krieges befasst und ergänzt so die Perspektive auf Friedensanforderungen.[5] Der Bonner Historiker, Leiter der elektronischen Publikationsplattform perspectivia.net der Max-Weber-Stiftung[6] und Blogger Dr. Michael Kaiser beleuchtet seit Jahren in seiner Forschung Aspekte des Dreißigjährigen Krieges und hat darüber hinaus Erfahrung, diese an eine breitere Öffentlichkeit zu kommunizieren.[7]

Die Auseinandersetzung mit Frieden in historischer Perspektive gehört quasi zum täglichen Geschäft des Leiters des Bonner Zentrums für Historische Friedensforschung, Prof. Dr. Michael Rohrschneider, das unter anderem die Akten zum Westfälischen Friedenskongress ediert.[8] Dr. Patrick Milton ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am John F. Kennedy-Institut der FU Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Frage nach frühneuzeitlicher Protektion und humanitärer Intervention. Zudem hat er führend an der Seminarreihe „A Westphalia for the Middle East“ mitgewirkt[9], bei der auch Anuschka Tischer und Michael Kaiser als Vortragende teilgenommen haben.

Gemeinsam wollen sie den Beitrag der Frühneuzeitforschung für das ebenso aktuelle wie brisante Thema Friedenschließen diskutieren.

Um Anmeldung unter bonn1648@uni-bonn.de wird gebeten. Es sind nur noch wenige Plätze frei!

 


[1] https://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2016/160712-Westfaelischer_Frieden.html; http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2016/160920-BM-Historikertag.html [letzter Zugriff: 21.08.2017].

[2] https://www.koerber-stiftung.de/en/a-westphalia-for-the-middle-east.html [letzter Zugriff: 21.08.2017].

[3] http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2016/160920-BM-Historikertag.html [letzter Zugriff: 21.08.2017].

[4] In Auswahl: Tischer, Anuschka: Französische Diplomatie und Diplomaten auf dem Westfälischen Friedenskongreß. Außenpolitik unter Richelieu und Mazarin. (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte, 29) Münster 1999; dies.: Offizielle Kriegsbegründungen in der Frühen Neuzeit. Herrschaftskommunikation in Europa zwischen Souveränität und korporativem Selbstverständnis. (Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit, 12) Münster 2012.

[5] In Auswahl: Burschel, Peter: Söldner im Nordwestdeutschland des 16. Und 17. Jahrhunderts. Sozialgeschichtliche Studien. (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 113) Göttingen 1994; ders.: Himmelreich und Hölle. Ein Söldner, sein Tagebuch und die Ordnungen des Krieges. In: Zwischen Alltag und Katastrophe. Der Dreißigjährige Krieg aus der Nähe. Hrsg. von Benigna von Krusenstjern/Hans Medick, Göttingen 1999, S. 181-194.

[6] http://www.perspectivia.net

[7] http://dkblog.hypotheses.org

[8] In Auswahl: Rohrschneider, Michael: Der gescheiterte Friede von Münster. Spaniens Ringen mit Frankreich auf dem Westfälischen Friedenskongress (1643-1649). (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte, 30) Münster 2007; ders. et al.: L’art de la paix. Kongresswesen und Friedensstiftung im Zeitalter des Westfälischen Friedens. (Schriftenreihe zur Erforschung der Neueren Geschichte, 34) Münster 2011.

[9] In Auswahl: Milton, Patrick /Axworthy, Michael: A Westphalian Peace for the Middle East. In: Foreign Affairs (https://www.foreignaffairs.com/articles/europe/2016-10-10/westphalian-peace-middle-east [letzter Zugriff: 21.08.2017]); ders. et al.: Ending the new Thirty Years War. In: New Statesman (2016), S. 22-26.

 

Zitierweise:
Goetze, Dorothée: Friedenschließen und kein Ende? Von der Aktualität frühneuzeitlicher Friedenskongresse. Öffentliche Podiumsdiskussion, in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 23.08.2017, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2017/08/friedenschliessenundkeinende/

Dr. Dorothée Goetze

Dr. Dorothée Goetze

Dr. Dorothée Goetze studierte, wo andere Urlaub machen und Wissen rockt: an der Universität Greifwald. Der Westfälische Friede lockte sie nach Bonn, wo sie 2012 mit dem Abschlussband der Kaiserlichen Korrespondenzen (1648-1649) im Editionsprojekt Acta Pacis Westpalicae promoviert wurde. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an Universität Bonn widmet sie sich nun intensiv dem Immerwährenden Reichstag (1663-1806) und Integrationsprozessen im Ostseeraum (16.-18. Jhd.).
Dr. Dorothée Goetze
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