Zwischen ‚Kleinen‘ und ‚Großen‘ Welten Herrschaft vor Ort im Rheinland der Vormoderne Programm zur Herbsttagung, 25./26. September 2023

Die diesjährige Herbsttagung der Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte findet am 25. und 26. September 2023 in Bonn statt und widmet sich in Kooperation mit der Abteilung für Historische Grundwissenschaften und Archivkunde den “‚Kleinen’ und ‚Großen‘ Welten” und damit der “Herrschaft vor Ort im Rheinland der Vormoderne” von der Antike bis ins 18. Jahrhundert. Wie jedes Jahr ist der Verein für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande Mitveranstalter der Tagung.

Das zentrale Anliegen der Tagung ist es, verstärkt nach den Formen, Zielen und Wirkungsweisen von Bottom-up-Prozessen zu fragen. Es geht folglich um einen Perspektivwechsel zu klassischen Fragen der vormodernen Herrschafts- und Territorialgeschichte. Die rheinische Region dient als ‚Probebohrung‘, um Einflussmöglichkeiten der ‚Kleinen Welten‘ auf die ‚Großen Welten‘ zu untersuchen. Statt wie insgesamt eher üblich, Maßnahmen zur Herrschaftslegitimierung und -durchsetzung in den Blick zu nehmen, sollen vielmehr die Möglichkeiten untergeordneter, häufig ländlich verorteter Herrschaftsträger (‚Kleine Welten‘), ihre Interessen gegenüber ihnen übergeordneten, zentraler agierenden Herrschaftsträgern (‚Große Welten‘) zum Ausdruck zu bringen und gegebenenfalls auch durchzusetzen, analysiert werden. Zwischen den Akteuren der ‚Kleinen‘ bzw. denen der ‚Großen Welten‘ bestanden asymmetrische Herrschafts- und Machtbeziehungen, deren Reziprozität stärker in den Fokus gerückt werden soll.
Der Fokus wird hierbei auf (politische) Akteure gerichtet, die durchaus, aber nicht zwangsläufig im ländlichen Raum angesiedelt waren, und ihr Interagieren mit herrschaftlich übergeordneten Instanzen, die räumlich zentraler angesiedelt sein können, dies aber keineswegs sein müssen. Im Mittelpunkt steht somit die Wirkmächtigkeit lokaler Herrschaftsträger gegenüber übergeordneten Herrschaftsebenen.
Ziel der Tagung ist es, anhand von rheinischen Fallbeispielen von der Antike bis in die Frühe Neuzeit in einem regional klar abgegrenzten Rahmen die Handlungsoptionen und Strategien lokaler Herrschaftsträger aus unterschiedlichen Blickwinkeln auszuloten.

Die Herbsttagung 2023 ist Dr. Thomas Becker zum Eintritt in den Ruhestand gewidmet.

 

Programm

Montag, 25.09.2023

09.30 Uhr Michael Rohrschneider / Andrea Stieldorf: Begrüßung und Einführung

Sektion I: Antike und archäologische ‚Kleine Welten‘ (Moderation: Matthias Becher)

10.00 Uhr Konrad Vössing: Lokale Hilfstruppen, Legionäre, Offiziere und Kaiser – in der ‚Schlacht von Bonn‘ 69 n. Chr. (Tacitus, Historien 4,19–20)

10.45 Uhr Kaffeepause

11.15 Uhr Winfried Schmitz: Eine Welt im Umbruch. Alte und neue Eliten im Rheinland des 4.–7. Jahrhunderts

12.00 Uhr Torsten Rünger: Die ländlichen Siedlungsräume von Pier und Morken im Rheinland. Zwei mittelalterliche ,Kleine Welten‘ im Kontext lokaler Herrschaft

12.45 Uhr Mittagspause


Sektion II: Geistliche Herrschaft im Alten Reich: Das Beispiel Kurköln (Moderation: Claudia Jarzebowski)

14.15 Uhr Michael Rohrschneider: Asymmetrien als Erscheinungsform frühneuzeitlicher Herrschaft in den ,Kleinen‘ und ,Großen Welten‘ des Kurfürstentums Köln

15.00 Uhr David Schulte: Die ,Kleine Welt‘ des frühneuzeitlichen Kurköln im Spiegel von landständischer Verfassung und Politik

15.45 Uhr Kaffeepause

16.15 Uhr Philipp Gatzen: Im Dienste des Apostelfürsten – Domkapitularische Amtsträger zwischen Rhein und Lippe


17.30 Uhr Jahreshauptversammlung des Vereins für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande


19.00 Uhr Abendvortrag (mit anschließendem Empfang)

Stefan Brakensiek: Frühneuzeitliche Herrschaft vor Ort – Europäische Vergleiche


Dienstag, 26.09.2023

Sektion III: Immer Ärger mit der Äbtissin? Die ,Kleinen‘ und ,Großen Welten‘ rheinischer Frauenkonvente (Moderation: Wolfgang Rosen)

09.30 Uhr Florian Beste: Immer Ärger für die Äbtissin – Konsolidierung und Krisenbewältigung der Reichsabtei Burtscheid unter der ersten Äbtissin Helswindis I. von Gymnich (1219–1269)

10.15 Uhr Andrea Stieldorf: Jenseits des Gebets. Streitigkeiten um den und mit dem Vilicher Frauenkonvent im 13. und 14. Jahrhundert

11.00 Uhr Kaffeepause

11.30 Uhr Gisela Muschiol: Netzwerke und Allianzen – Kölner Frauenkonvente zwischen Beichtvätern und Bürgern

12.15 Uhr Mittagspause


Sektion IV: Herrschaft zwischen Kooperation und Konfrontation: Medialität – Konflikte – Strategien (Moderation: Tobias Weller)

14.00 Uhr Naemi Winter: Wer schreibt, der bleibt. Die spätmittelalterlichen Urkundenfälschungen des Klosters St. Eucharius-Matthias vor Trier

14.45 Uhr Sophia Victoria Clegg: Mein bester Feind. Inschriften als Zeugnisse des Verhältnisses zwischen Bischöfen und ,ihren‘ Städten am Niederrhein und in Westfalen

15.30 Uhr Manuel Hagemann: Zwischen freundschaftlicher Nähe und vorsichtiger Distanz. Kleine Herrschaften am Niederrhein und ihr Verhältnis zum Klever Hof im Spätmittelalter

16.15 Uhr Till Bodden: Ein innerpreußischer Grenzstreit – Die Bestimmung der geldrisch-moersischen Limiten im frühen 18. Jahrhundert (Projektvorstellung)


Thomas Becker, Universitätsarchivar Bonn, Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Würdigung für ADir Dr. Thomas Becker

16.45-17.15 Uhr Moderation: Claudia Wich-Reif

Die diesjährige Herbsttagung wird Dr. Thomas Becker, dem langjährigen Archivar der Universität Bonn gewidmet, der sich neben der Universitätsgeschichte um die Forschung der Landesgeschichte im Rheinland verdient gemacht hat. Herr Dr. Becker ist im Sommer 2023 in den Ruhestand getreten.

 

 

Anmeldung bis 11. September erbeten an

Sandra Otto M.A.
fnzrlg.verein@uni-bonn.de

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte
Am Hofgarten 22
53113 Bonn
Tel.: 0228 73-7482
+ Anmeldung bevorzugt via E-Mail +

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Michael Rohrschneider & Andrea Stieldorf

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