Vermittlung der Ergebnisse Populärwissenschaftliche Zugänge als Multiplikatoren in die Öffentlichkeit

Wie vermittelt man wissenschaftliche Ergebnisse? Welche Möglichkeiten einer populärwissenschaftlichen Verbreitung historischer Themen und geschichtswissenschaftlicher Forschungen gibt es?

Eine dieser Vermittlungsmöglichkeiten nutzen Sie gerade schon – Sie lesen den Tagungsblog #Bonn1648, der Ihnen nicht nur vor der Konferenz die Möglichkeit bietet, sich über die Sektionen und Beiträge zu informieren, sondern über den Sie auch im Nachgang der Tagung die wesentlichen Ergebnisse in Form eines Tagungsberichts und eines Medienechos erfahren werden.

Wissenschaftliche Blogs sind allerdings ein Vermittlungsmedium unter vielen:
Historische Spielfilme[1] nutzen historische Inhalte und machen daraus Blockbuster. Geschichtsmagazine[2] werden an Bahnhöfen verkauft und von geschichtsinteressierten Laien konsumiert. Comics[3] und sogar Computerspiele[4] nutzen historische Themen als Hintergrund für ihre Narration. Und hat nicht jeder von uns schon die ein oder andere – besser oder schlechter gemachte – Fernsehdokumentation[5] gesehen?

Die letzte Sektion der Tagung beschäftigt sich mit populärwissenschaftlichen Zugängen und Nutzungen von Geschichte:

„Archive vermitteln Geschichte?“ – das könnte man Dr. Nils Jörn (Stadtarchivar/Wismar) fragen, der aus seiner Vereinsarbeit berichten wird. Neben Sammeln, Bewahren und Erhalten, ist es die Aufgabe von Archiven, Archivgut benutzbar und zugänglich zu machen. Der Verein „Freunde und Förderer des Archivs der Hansestadt Wismar e.V.“ hat sich darüber hinaus auf die Fahne geschrieben, die Geschichte der Stadt Wismar durch Ausstellungen, Veranstaltungen und Vorträge bekannter zu machen.

Ausstellungen sind wohl eine der klassischsten Formen der populären Geschichtsvermittlung. Auch wenn der sogenannte „Museumsboom“ der 1990er Jahre immer kritischer betrachtet wird[6], geht weiterhin eine große Anzahl – mehr und weniger interessierter – Besucher ins Museum. Wie ein Ausstellungsmacher an die Konzeption einer Ausstellung zu Themen wie Krieg und Frieden herangeht, beleuchtet Joachim Krüger (Ausstellungsmacher/Ausstellungen u.a. „Von Degen, Segeln und Kanonen – der Untergang der Prinzessin Hedvig Sofia“, „Luthers Norden“).

Ein aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive sicherlich ungewöhnlicher, aber durchaus öffentlichkeitswirksamer Akt der Geschichtsinszenierung ist die Aktion „Westfälischer Frieden – Gemeinsam gegen Gewalt“ des SC Preußen 06 Münster und des VfL Osnabrück. Gemeinsam – und unterstützt durch den Deutschen Fußball-Bund – engagieren sie sich gegen Gewalt, Rassismus, Diskriminierung und Hass im Stadion und setzen mit einem eigens angefertigten Logo ein Zeichen: Es soll daran erinnern, dass die beiden Städte als ehemalige Tagungsorte des Westfälischen Friedenskongresses Städte des Friedens sind. Christoph Sträßer (SC Preußen 06 Münster) stellt die Aktion vor.

Historische Romane[7] verdienen tatsächlich den Titel „Multiplikatoren“. Schaut man sich die langen Regalreihen in Buchhandlungen an, wird deutlich: Geschichte boomt! Doch stellen sich viele Historiker/innen die Fragen: Wird hier Geschichte richtig vermittelt? Was glaubt der Leser hier über wahre Geschichte zu erfahren? Michael Wilcke (Romanautor/Bramsche) berichtet aus der Sicht eines Autors von historischen Romanen.

Moderiert wird die Sektion von Professor Peter Geiss (Professor für Didaktik der Geschichte/Bonn). Er beschäftigt sich an seinem Lehrstuhl neben der schulischen Geschichtsvermittlung auch mit geschichtsbezogenen Kontroversen in der Öffentlichkeit, mit Geschichtsbildern und mit außerschulischer Geschichtsvermittlung.

Kommentator der Sektion ist Professor Christoph Kampmann (Professor für die Geschichte der Frühen Neuzeit/Marburg), Frühneuzeithistoriker und Spezialist auf dem Gebiet des Westfälischen Friedenskongresses. Er selbst hat schon als Historiker bei der ZDF-Dokureihe „Die Deutschen“ (Wallenstein und der Krieg) mitgewirkt.

Die beiden Historiker sind damit hervorragend geeignet, auch den praxis- und vermittlungsrelevanten Kontext von Geschichtswissenschaft zu beleuchten und damit die letzte Sektion der Tagung zu betreuen.

Die verschiedenen populärwissenschaftlichen Vermittlungsformate können analysiert und hinterfragt, ihr Wert für die klassische Geschichtswissenschaft und für die – mittlerweile auch in Deutschland angekommene – Public History sowie für das breite, an Geschichte interessierte, Publikum diskutiert werden.

 

SEKTION 6: VERMITTLUNG DER ERGEBNISSE – POPULÄRWISSENSCHAFTLICHE ZUGÄNGE ALS MULTIPLIKATOREN IN DIE ÖFFENTLICHKEIT, 15.15-17.45 Uhr

Moderation: Peter Geiss

Kommentar: Christoph Kampmann

  1. Na, wat hest all wedder mokt? Ein Archivverein als Lösung für fast alle Probleme? (Nils Jörn)
  2. Museographia oder Anleitung zum rechten Begriff und nützlicher Anlegung der Museorum oder Raritäten. Cammern – Krieg und Frieden in der Perspektive des Museums (Joachim Krüger)
  3. Westfälischer Frieden – Gemeinsam gegen Gewalt (SC Preußen 06 Münster/ Christoph Sträßer)
  4. Der historische Roman – Geschichte und Geschichten für die breite Masse (Michael Wilcke)

 

 


[1] Sommer, Andreas: „Da kommt das Bild aus dem Film“. Eine empirische Studie zur Rezeption und Wirkung von Historienfilmen. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 64 (2013) Heft 7/8, S. 427-440.

[2] Popp, Susanne u.a. (Hrsg.): Populäre Geschichtsmagazine in internationaler Perspektive. Interdisziplinäre Zugriffe und ausgewählte Fallbeispiele, Frankfurt 2016.

[3] Gundermann, Christine: Geschichtskultur in Sprechblasen. Comics in der historisch-politischen Bildung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 33-34 (2014), S. 24-29. Online verfügbar unter: http://www.bpb.de/apuz/189530/comics-in-der-politisch-historischen-bildung

[4] Schwarz, Angela: Game Studies und Geschichtswissenschaft. In: Game studies. Aktuelle Ansätze der Computerspielforschung. Hrsg. von Klaus Sachs-Hombach und Jan-Noël Thon. Köln 2015, S. 398–447.

[5] Keilbach, Judith: Geschichte im Fernsehen. In: Geschichte und Öffentlichkeit. Orte – Medien – Institutionen. Hrsg. von Sabine Horn, Michael Sauer. Göttingen 2009, S. 153-160.

[6] Salsa, Alena: Museum im Wandel. Vom Tempel der Kunst zum Tempel der Besucher? Eine Studie zur Berliner Museumslandschaft, Hamburg 2009, 28ff.

[7] Prange, Peter: Zehn Thesen zum historischen Roman. In: History Goes Pop. Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres. Hrsg. von Barbara Korte, Sylvia Paletschek. Bielefeld 2009, S. 61-64.

 

 

Zitierweise:
Schuppe, Julia: „Vermittlung der Ergebnisse. Populärwissenschaftliche Zugänge als Multiplikatoren in die Öffentlichkeit“, in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 09.08.2017, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2017/08/vermittlung/

Julia Schuppe

Julia Schuppe

Studierte in Bonn Internationale Geschichte der Neuzeit und Politikwissenschaft. Arbeitete als Ausstellungsassistentin für den Deutschen Bundestag bei der Neuerarbeitung der Ausstellung in der Reichstagskuppel. Promoviert in Bonn zu generationenspezifischen Wahrnehmungen von Besuchern in zeithistorischen Ausstellungen.
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