Neustart! Zur Fusion der Abteilungen Frühe Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte der Universität Bonn

Mit der im Wintersemester 2016/17 erfolgten Zusammenlegung der zuvor getrennten Abteilungen “Geschichte der Frühen Neuzeit” und “Rheinische Landesgeschichte” des Instituts für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn ist eine deutliche Zäsur gesetzt worden, die organisatorische und inhaltliche Veränderungen in Forschung und Lehre mit sich bringen wird. Diese Fusion, die durch die Verlegung der bisherigen Abteilung “Frühe Neuzeit” (Konviktstraße 11) in das Dienstgebäude der Abteilung “Rheinische Landesgeschichte” (Am Hofgarten 22) nunmehr auch räumlich abgeschlossen wurde, ist nach meiner festen Überzeugung nicht ausschließlich als Verlustgeschichte anzusehen. Vielmehr bietet die aus Sparzwängen erfolgte Zusammenlegung der beiden Abteilungen in vielerlei Hinsicht Pontenziale und Chancen, die es zukünftig zu nutzen und auszubauen gilt. Zwar wird mein persönliches Lehrangebot aus pragmatischen Gründen in der Regel ganz klar auf der Schnittstelle von Früher Neuzeit und Rheinischer Landesgeschichte liegen. Dies bedeutet aber keineswegs, dass künftig eine Reduzierung der landesgeschichtlichen Forschung und Lehre auf die Epoche der Frühen Neuzeit intendiert ist, ebensowenig wie die Geschichte der Frühen Neuzeit nur noch in rheinischer Perspektive behandelt werden wird. Die nunmehr neu aufgestellte Bonner Landesgeschichte versteht sich vielmehr ausdrücklich als transepochal ausgerichtet, das heißt das Rheinland als Kernraum der europäischen Geschichte wird auch weiterhin in chronologisch übergreifender Weise vom frühen Mittelalter bis zur Zeitgeschichte Gegenstand der Arbeit des Lehrstuhls sein. Und für die Bonner Frühneuzeitforschung gilt ebenfalls, dass sie auch zukünftig ihre traditionellen Stärken in den Bereichen der internationalen Beziehungen, Historischen Friedensforschung und Quelleneditionen zur Geltung bringen wird.

Eine besondere Herausforderung wird es vor diesem Hintergrund sein, die genannten Spezifika der beiden vormals getrennten Abteilungen im Sinne einer Erzielung von Synergieeffekten konkret miteinander in Verbindung zu setzen − und zwar unter ausdrücklicher Einbeziehung des Zentrums für Historische Friedensforschung (ZHF), das dem Lehrstuhl assoziiert ist und eine beeindruckende Sammlung von Druckwerken und Reproduktionen von Archivalien aus ca. 160 europäischen Archiven zur frühneuzeitlichen Friedensgeschichte beheimatet. Eine derzeit vorbereitete Tagung zum Thema “Frühneuzeitliche Friedensstiftung in landesgeschichtlicher Perspektive” (Bonn, 18./19.9.2017), die schon im Titel die drei großen Säulen des Lehrstuhls in Einklang bringt, wird dies exemplarisch aufzeigen.

Die beiden (epochalen bzw. landesgeschichtlichen) Schwerpunkte der Professur weisen jedenfalls eine ganze Reihe von auffälligen Gemeinsamkeiten auf. Hierzu zählen insbesondere die Vielfalt thematischer Ansätze, die von Problemen der politischen Geschichte im engeren Sinn bis hin zu Fragestellungen der jüngeren Kulturgeschichte reichen, sowie eine explizit quellenbasierte Forschung und Lehre. Auch der vergleichende Blick auf andere deutsche Territorien und die europäischen Nachbarn zählt zu den programmatischen Pfeilern der inhaltlichen Ausrichtung des Lehrstuhls, ebenso der geplante intensive interdisziplinäre Austausch mit anderen Fächern, die traditionell eng mit der Bonner Landesgeschichte in Verbindung stehen. Mit der Bibliothek für die geschichtliche Landeskunde der Rheinlande und den Sammlungen des ZHF stehen hervorragende Instrumente zur Verfügung, die nicht nur ein großes Reservoir für künftige Forschungen bieten, sondern darüber hinaus auch im Sinne des “forschenden Lernens” intensiv in die universitäre Lehre eingebunden werden können. Dass neben dem ZHF zudem mit dem “Verein für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande” ein bewährter und eng mit dem Lehrstuhl verbundener Partner zur Verfügung steht, wird zweifellos mit dazu beitragen, dass sowohl die Landesgeschichte als auch die Frühneuzeitforschung am Standort Bonn auch nach der nunmehr gegebenen Zäsur ihre Attraktivität bewahren werden!

 

Zitierweise:
Rohrschneider, Michael: „Neustart! Zur Fusion der Abteilungen Frühe Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte der Universität Bonn“, in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 23.01.2017, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2017/01/neustart

 

Prof. Dr. Michael Rohrschneider

Prof. Dr. Michael Rohrschneider

ist seit Oktober 2016 Professor für Frühe Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte an der Universität Bonn.
Prof. Dr. Michael Rohrschneider
Diesen Eintrag twittern.
Diesen Eintrag auf Facebook posten.
Diesen Eintrag auf Google+ posten.
http://histrhen.landesgeschichte.eu/2017/01/neustart/

2 Kommentare zu “Neustart! Zur Fusion der Abteilungen Frühe Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte der Universität Bonn

  1. Manfred Groten

    Ich begrüße Michael Rohrschneiders Bekenntnis zur epochenübergreifenden rheinischen Landesgeschichte. Ich wünsche ihm viel Erfolg bei der Bewältigung seiner unter den gegebenen Umständen wahrlich nicht leichten Aufgaben. Von seiten der Landesgeschichte verdient Michael Rohrschneider volle Unterstützung.

  2. Martin Schlemmer

    Auch ich gratuliere zum Neustart in Bonn. Es wäre mir eine große Freude, Vertreterinnen und Vertreter der Landesgeschichte im Lesesaal des Landesarchivs in Duisburg begrüßen zu dürfen. Melden Sie sich einfach, wenn Sie der Weg in den Duisburger Innenhafen führt. Bestände zur rheinischen Landesgeschichte sind hier ja reichlich vorhanden.

Kommentar verfassen