Die Erben der Arisierung Vom Umgang heutiger Eigentümer mittelständischer Familienunternehmen mit der NS-Vergangenheit ihrer Firmen und Familien

Erinnern und Wahrhaftigkeit sind von zentraler Bedeutung in einer Zeit, in der antisemitische Ressentiments zunehmen und bei Meinungsumfragen mehr als fünfzig Prozent der Befragten mit dem Begriff Auschwitz nichts anzufangen wissen. Zum Erinnern an die Zeit des Nationalsozialismus gehört auch ein wenig beachtetes, aber bis heute wirksames Ereignis: Die „Arisierung“ genannte Enteignung der deutschen und europäischen Juden.

100 Jahre Familientradition?

Den Anfang machte eine E-Mail vom 20. Juni 2014, Adressat war der Freie Autor und Journalist Armin H. Flesch in Frankfurt am Main. Geschrieben hatte ihm der Enkel eines ehemaligen Frankfurter jüdischen Unternehmers, dessen Firma Mitte der Dreißigerjahre arisiert worden war. Achtzig Jahre später behaupteten die Nachkommen des einstigen Ariseurs wahrheitswidrig, ihr Unternehmen blicke auf „100 Jahre Familientradition“ zurück.
Diese Geschichte hätte einen nicht zu langen Zeitungsartikel ergeben sollen – keine große Sache, drei, vier Tage Arbeit vielleicht. Doch die Suche nach alten Unterlagen führte Armin H. Flesch zu weiteren, teils spektakulären Arisierungsfällen wie jenem der Fabrik und heutigen Firmenzentrale eines Chemieunternehmens in Lahnstein.

Wie verhalten sich die heutigen Eigentümer?

Archivrecherchen im In- und Ausland – unter anderem im LHA Koblenz – und Interviews lösten eine Beschäftigung des Frankfurter Journalisten mit dem Thema Arisierung aus, die bis heute fortdauert: Wer profitierte vom legalisierten Raub und Mord an den Juden? Wie verhalten sich die heutigen Eigentümer arisierter mittelständischer Familienunternehmen zur NS-Vergangenheit ihrer Firma und Familie? Welche Bedeutung hat die Arisierung für das Verständnis des Holocaust und der deutschen Gesellschaft vor und nach 1945? Welche konkreten Auswirkungen hat sie bis heute?
Auf diese und andere Fragen sucht Armin H. Flesch mit seiner Arbeit Antworten. Inzwischen sind mehrere Zeitungsartikel von ihm zu diesem Thema erschienen – auch in der Rhein-Zeitung und der Rhein-Lahn-Zeitung. Derzeit arbeitet er an einem Buch und hält bundesweit Vorträge.

Dienstag, 2. April 2019
18:00 (Eintritt frei)
Landeshauptarchiv Koblenz (Karmeliterstraße 1–3, 56068 Koblenz)
Referent: Armin H. Flesch

Eine Veranstaltung des Vereins für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e.V. in Kooperation mit der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz – Landeshauptarchiv Koblenz.

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VEREIN FÜR GESCHICHTE UND KUNST DES MITTELRHEINS

Seit über einhundert Jahren steht der Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e.V. für die Vermittlung der geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Vergangenheit der Region an Rhein und Mosel.
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