zuckerGEBÄCK – NASCHwerk Süße Speisen in der Frühen Neuzeit

Im Historischen Seminar halten Kaffee und Kuchen Einzug! Dort ist seit dem 27. Juni 2018 eine studentische Ausstellung zum Thema Zuckerkonsum und Süßspeisen in der Frühen Neuzeit zu sehen.

Ausgestellt sind unter anderem historische Backformen, Kochbücher, Rezepte und eine Dröppelmina. Dargestellt ist die Geschichte und Verbreitung von Süßspeisen zwischen 1500 und 1800 in Europa. Highlight ist eine bebilderte Backanleitung samt Hintergrundinformationen zum Rezept.

Durch die Entdeckung neuer Erdteile und verstärkte Handelsbeziehungen in ferne Länder wurden in der Frühen Neuzeit neue Nahrungs- und Genussmittel in Europa bekannt. Das Vordringen von Süßspeisen in die Speisepläne der Europäer wurde durch den verstärkten Zuckeranbau in Übersee ermöglicht, der diesen zunächst für die reichen Schichten erschwinglich machte, sodass er an den Höfen Europas zum Statussymbol avancierte.

Anja Pfeiffer vor ihrer Ausstellung im Historischen Seminar in Bonn (Foto: Anja Pfeiffer)

Der zunehmende Zuckerluxus führte zur Entwicklung neuer Süßspeisen und -getränke, die bald auch Einzug in Rezeptesammlungen und Haushaltsliteratur fanden und zunehmend auch von nichtadligen Schichten nachgeahmt wurden. Neben süßem Gebäck und Puddings wurden im 17. und 18. Jahrhundert Konfekte, Marzipan, Marmeladen, kandierte Früchte, Speiseeis, Limonaden, Liquöre und Schokolade beliebte Süßspeisen und -getränke. 

Der Genuss der zur selben Zeit in Europa aufkommenden Modegetränke, Kaffee, Tee und Kakao wurde mit Zucker kombiniert und mit Nebenmahlzeiten verbunden. Allmählich entwickelte sich die noch heute typische Besuchermahlzeit mit Kaffee und Kuchen, der die Ausstellung mit einer für das Bergische Land typischen Dröppelmina Rechnung trägt.

Für die unteren Gesellschaftsschichten blieb der Genuss von mit Zucker gesüßten Speisen und Getränken jedoch bis ins 19. Jahrhundert hinein auf besondere Anlässe und Feiertage beschränkt, bevor er durch die industrielle Produktion aus Zuckerrüben in Europa zum Massenprodukt wurde.

Die Ausstellung bietet einen spannenden Einblick in eine Zeit, in der Zucker nicht als ungesunder Dickmacher angesehen wurde, sondern ein begehrtes Luxusprodukt war und zeitweise sogar als Medizin galt.

 

zuckerGEBÄCK – NASCHwerk. Süße Speisen in der Frühen Neuzeit
Eine Ausstellung von Anja Pfeiffer
Historisches Seminar, Konvikstr. 11, 1. Etage
Öffnungszeiten gemäß derer des Historischen Seminars

 

Für die freundliche Unterstützung bei der Erstellung der Ausstellung danke ich Herrn Dr. Studt und Leonard Dorn.

 

Zitierweise:
Pfeiffer, Anja: zuckerGEBÄCK – NASCHwerk. Süße Speisen in der Frühen Neuzeit, in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 04.07.2018, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2018/07/zuckergebaeck-naschwerk/

Anja Pfeiffer

Anja Pfeiffer

ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Alte Geschichte an der Universität Bonn und arbeitet an der Neuedition der Gesetze Drakons und Solons. Promoviert zum Thema „Familienhistorische Untersuchungen der Reden des Isaios“. Interessiert sich privat für die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens des 18. Jahrhunderts.
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Über Anja Pfeiffer

ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Alte Geschichte an der Universität Bonn und arbeitet an der Neuedition der Gesetze Drakons und Solons. Promoviert zum Thema „Familienhistorische Untersuchungen der Reden des Isaios“. Interessiert sich privat für die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens des 18. Jahrhunderts.

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