Von der Forschung in den Geschichtsunterricht Teil 2: Die Bonner historischen Lehrerfortbildungstagungen

Sevilla, Minarett der Hauptmoschee, 12. Jh., heute Turm der Kathedrale. Bildquelle: Ingo Mehling, Sevilla Cathedral – Giralda, https://de.wikipedia.org/ wiki/Giralda#/media/File:Sevilla_Cathedral_-_Giralda.jpg [29.10.2016]

Mit dem neuen Kernlehrplan[1] kamen 2014 einige inhaltliche Änderungen auf den Geschichtsunterricht in der gymnasialen Oberstufe zu. Eine besonders große Herausforderung bei der Umsetzung des Lehrplans in ein schulinternes Curriculum und den Unterricht stellte das Inhaltsfeld 7 (Friedensschlüsse und Ordnungen des Friedens in der Moderne) dar. Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Frieden werden vorher nur in einer kurzen Unterrichtseinheit in der Sekundarstufe I unterrichtet. Die Schülerinnen und Schülern können deshalb in der Oberstufe kaum auf bereits vorhandenes Wissen zurückgreifen. Dennoch sollen sie sich vertieft mit Fragen des Interessenausgleichs im Westfälischen Frieden beschäftigen und den Friedensvertrag mit späteren Friedensschlüssen vergleichen. Auch für die Lehrerinnen und Lehrer ist die Tiefe der Auseinandersetzung an dieser Stelle neu. Es ist also einiges an Vorbereitung erforderlich, um die inhaltlichen Vorgaben des Lehrplans gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zielführend zu bearbeiten.

 

Wie können Geschichtslehrerinnen und –lehrer fachlich bei der Umsetzung des Kernlehrplans unterstützt werden?

An dieser Stelle konnte die vom Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte und dem Zentrum für Historische Friedensforschung (Uni Bonn) mit Unterstützung durch das Haus der Geschichte veranstaltete Lehrerfortbildungstagung „Friedensordnungen in geschichtswissenschaftlicher und geschichtsdidaktischer Perspektive“ am 6./7. November 2014 anknüpfen.[2] Für die Fortbildung und Tagung, die sich sowohl an Geschichtslehrerinnen und -lehrer als auch an Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler richtete, haben wir Experten aus Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik eingeladen, um den Lehrkräften Impulse aus der Forschung näherzubringen. Der Westfälische Frieden war dabei ein besonderer Schwerpunkt. Wir wollten neue Forschungsergebnisse und Quellen für den Transfer in den Unterricht nutzbar machen und aufzeigen, wie sich die verschiedenen thematischen Schwerpunkte in diesem Inhaltsfeld verbinden lassen. Die Ergebnisse der erfolgreichen Tagung wurden in einem Sammelband veröffentlicht:

Peter Geiss / Peter Arnold Heuser (Hrsg.): Friedensordnungen in geschichtswissenschaftlicher und geschichtsdidaktischer Perspektive. Göttingen 2017.[3]

 

Welches Lehrplanthema kommt als nächstes?

Da die gut besuchte Tagung deutlich gemacht hat, wie groß die Nachfrage nach diesem Format ist, findet in diesem Jahr eine weitere Lehrerfortbildungstagung statt. Im Fokus steht diesmal das Inhaltsfeld 2 „Islamische Welt – christliche Welt: Begegnung zweier Kulturen in Mittelalter und früher Neuzeit“. Das Thema ist an sich für den Geschichtsunterricht nicht neu und ließ sich bereits aus den Richtlinien und Lehrplänen von 1999 herleiten. Dort wurde auch explizit eine beispielhafte Reihe zum Thema „Der christlich-europäische Westen und der Islam – Kampf der Kulturen?“ vorgeschlagen.[4] Dennoch weist dieses Inhaltsfeld wegen seiner gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Aktualität ganz besondere Schwierigkeiten auf. Im Rahmen der Lehrerfortbildung und Tagung soll das Thema „Christen und Muslime in Mittelalter und Frühneuzeit – Ein Schüsselthema des Geschichtsunterrichts im interdisziplinären Fokus“[5] am 16./17. November 2017 wissenschaftlich in den Blick genommen werden. Wir möchten auf hohem wissenschaftlichen Niveau und unterstützt von hervorragenden Forscherinnen und Forschern dieses Inhaltsfeld beleuchten und anhand von aktuellen Forschungsergebnissen fachliche Fragestellungen und deren Übertragbarkeit in schulische Praxis diskutieren. Neben Geschichtsdidaktikern, Historikerinnen und Historikern konnten wir auch Fachvertreter der Islamwissenschaft als Referenten gewinnen. Veranstalter der diesjährigen Lehrerfortbildung und Tagung sind das Zentrum für Historische Friedensforschung der Universität Bonn (ZHF), die Abteilungen für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte der Universität Bonn; der Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte der Universität Bonn, Institut für Orient- und Asienwissenschaften, Abteilung für Islamwissenschaft und Nahostsprachen der Universität Bonn. Wir werden von der Universitätsgesellschaft Bonn und dem Bonner Zentrum für Lehrerbildung unterstützt und konnten erneut das Haus der Geschichte als Tagungsort gewinnen.

Wir freuen uns über die vielen Anmeldungen von (angehenden) Lehrerinnen und Lehrern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und wünschen allen spannende und ertragreiche Tage in Bonn!

Hier finden Sie Teil 1: Der Kernlehrplan Geschichte Sek II in Nordrhein-Westfalen

 


[1] Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Kernlehrplan für die Sekundarstufe II Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen. Geschichte. Düsseldorf 2014. URL: https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/klp_SII/ge/KLP_GOSt_Geschichte.pdf [02.11.: 2017].

[2] Weitere Informationen zur Veranstaltung: https://www.igw.uni-bonn.de/de/abteilungsseiten/didaktik-der-geschichte/fortbildung-friedensordnungen/friedensordnungen-in-geschichtswissenschaftlicher-und-geschichtsdidaktischer-perspektive-1 [02.11.2017].

[3] Weitere Informationen: http://www.v-r.de/de/friedensordnungen_in_geschichtswissenschaftlicher_und_geschichtsdidaktischer_perspektive/t-1/1091704/ [02.11.2017].

[4]Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II – Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen. Geschichte. Düsseldorf 1999, S. 82-83. https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/lehrplaene_download/gymnasium_os/4714.pdf [02.11.2017].

[5] Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.igw.uni-bonn.de/de/abteilungsseiten/didaktik-der-geschichte/fortbildung-friedensordnungen/christen-und-muslime-in-mittelalter-und-fruehneuzeit-2013-ein-schluesselthema-des-geschichtsunterrichts-im-interdisziplinaeren-fokus [02.11.2017].

 

Zitierweise
Kämmerling, Magdalena: Von der Forschung in den Geschichtsunterricht. Teil 2: Die Bonner historischen Lehrerfortbildungstagungen, in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 08.11.2017, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2017/11/von-der-forschung-in-den-geschichtsunterricht-2/

Magdalena Kämmerling

Magdalena Kämmerling

Studierte Geschichte, Englisch und Ethnologie in Köln (Staatsexamen und Magister). Von 2011-2013 Studienreferendarin (Gymnasium) in Köln und Bergisch Gladbach. Seit 2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte an der Universität Bonn. Promoviert über Geschichtsdidaktik und Geschichtsunterricht in Deutschland und England
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