„Europa in Bewegung. Lebenswelten im frühen Mittelalter“ Katalog… oder doch Begleitband?

Plakat zur Ausstellung „Europa in Bewegung. Lebenswelten im frühen Mittelalter“ im LVR-LandesMuseum Bonn, Foto: Ungarisches Nationalmuseum, Budapest.

Der vorliegende Band hängt der gleichnamigen, in gewohnter Qualität präsentierten Ausstellung im LVR LandesMuseum Bonn, einer Kooperation im Rahmen des CEMEC-Projekts und COBBRA Museum Consortiums[1], an. Er beschäftigt sich vorrangig aus archäologischer und kunsthistorischer Perspektive mit dem frühmittelalterlichen Europa zwischen den Jahren 300 und 1000 hinsichtlich seiner „Kontinuitäten, Veränderungen und Verflechtungen am Wendepunkt von der Antike zum Mittelalter“ (S. 7).

Drei Abteilungen des Bandes setzen sich mit den unterschiedlichen Aspekten von ‚Vielfalt‘, ‚Verbindungen‘ und dem ‚frühmittelalterlichen Europa heute‘ auseinander. Über 30 mehr oder weniger umfangreiche Beiträge stellen, mit vielfältigem Bild- und Kartenmaterial versehen, mancherlei Facetten des frühmittelalterlichen Europa vor, wobei neben der Präsentation einiger gentes der Zeit besonders die Vorstellung von zehn prominenten ‚Reisenden‘ den hohen Grad individueller Mobilität veranschaulicht. Ergänzend verschaffen diachrone Artikel, wie etwa von Peter Heather (S. 19-27) zum 5. bis 7. Jahrhundert, einen lebendigen Überblick über verschiedene Zeitabschnitte.

Aus mediävistischer Perspektive[2] wird neben Abul Abbas, dem Elefanten Karls des Großen (S. 28f.), Kaiserin Theophanu als Gemahlin Kaiser Ottos II. (S. 46f.) vom Blogger Robin Oomkes als beispielhafte ‚Reisende‘ vorgestellt. Leider bleiben beide Beiträge zumeist oberflächlich und kommen über einen zeitlichen Abriss mit Fokus auf die Reiseaktivität Theophanus sowie ihren Kulturschock, den sie angesichts des im Gegensatz zu Byzanz als rückständig präsentierten ostfränkischen Reiches erlitt, nicht hinaus. Zudem fallen einige sachliche Fehler und widersprüchliche Angaben auf. Probleme scheinen bereits bei der korrekten Wiedergabe von Herrscherjahren aufzukommen, ein Fehler, der leider auch in der Ausstellung zu finden ist. So ist die Implikation, Otto II. sei im Jahre 972 noch nicht Kaiser gewesen (S. 46) unrichtig – er war seit 967 Mitkaiser. Auch die Regierungszeit Karls des Großen erst 774 beginnen zu lassen (etwa S. 28), ist indiskutabel und gilt allenfalls für das Langobardenreich. Hieran reihen sich undifferenzierte Aussagen, wie die Behauptung, Kaiserin Theophanu habe stets „ihre Urkunden mit dem männlichen Namen »Theophanus imperator«“ (S. 47) signiert. Dass dies in dieser Form nicht korrekt ist, sondern ihr Name und ihre Titulatur in einem ihrer zwei überlieferten Diplome [!] möglicherweise erst von der Hand eines späteren Kopisten umgestaltet wurde, ist bereits seit längerer Zeit bekannt und darüber hinaus Gegenstand anhaltender Diskussion[3]. In ähnlicher Manier entbehrt nicht nur der Satz „Das Itinerar [des ostfränkischen Herrschers] war ein Jahr im Voraus geplant“ (S. 47) jeglicher wissenschaftlicher Grundlage, auch die problematische Definition des ostfränkischen Reiches als ‚östlicher, deutschsprachiger Teil des Reichs Karls des Großen‘ (S. 46) stimmt nachdenklich.

Stellen die Kaiserin Theophanu sowie der Bischof Martin von Tours (S. 102f.) sicherlich Exponenten ihrer Zeit dar, so wäre angesichts der beispielhaften Präsentation ‚Reisender‘ ihrer Zeit – wogegen ja erst einmal nichts einzuwenden ist – die Auswahl des Elefanten Abul Abbas zu überdenken gewesen. Zweifellos stellte der transportierte Dickhäuter nicht nur in der damaligen, sondern auch in der heutigen Zeit ein ausstellungswürdiges Kuriosum dar. Ob er allerdings als Persönlichkeit abseits seiner Eigenschaft als „diplomatisches Geschenk“ (S. 28) repräsentativ für die Verflechtungen des frühen Mittelalters herangezogen werden kann, bleibt diskutabel. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Warum es darüber hinaus im Falle dieses durch das Creative Europe Programme der Europäischen Union[4] kofinanzierten Bandes eines Beitrags des erklärten Brexit-Befürworters und EU-Kritikers David Abulafia (Professor of Mediterranean History, Cambridge University) bedarf (S. 128-137)[5], ist unverständlich und ruft bei näherem Hinsehen etwa aufgrund fraglicher Folgerungen aus der Pirenne-These (S. 130f.) einige Irritation hervor.

Siegelring König Childerichs I. (Facsimile). © Gallica, Bibliothèque nationale de France, https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b55009975b, aufgerufen am 18.01.2019.

Im Kontrast dazu begrüßenswert ist die Bezugnahme auf aktuelle Phänomene und Problematiken wie die erhöhte Migration, das Zusammenleben unterschiedlicher Religionsgemeinschaften oder auch klimatische sowie wirtschaftliche Veränderungen aus historischem Blickwinkel. Die gebotenen Beiträge eröffnen verschiedenste Perspektiven, sich abseits moderner Polemiken reflektiert und faktenbasiert mit diesen Thematiken auseinanderzusetzen und neu respektive anders über sie nachzudenken. Besonders das Bestreben, zum ‚Verständnis von Vielfalt und Verbindungen zwischen Menschen’ verschiedener ‚regionaler Identitäten‘ beizutragen, überzeugt, indem im Band und in der Ausstellung ihre Netzwerke und die Neugier aufeinander veranschaulicht werden. Beispielhaft mag hierfür der Beitrag von Britt Claes und Elke Nieveler zum Frankenreich angeführt werden (S. 96-101). Unerlässlich sind dabei die reichen Bebilderungen sowie das gebotene Kartenmaterial. Hierbei muss jedoch in manchen Fällen festgestellt werden, dass abseits der teils bedauerlich niedrigen Bildqualität (etwa S. 55, 79, 84-86, 129, 135, 198, 201) auch der Bezug zum nebenstehenden Text unklar bleibt[6]. Ebenso unterliegt die Beschreibung der gezeigten Objekte einer gewissen Uneinheitlichkeit (vgl. etwa S. 99 im Gegensatz zu S. 74), wobei vor allem fehlende Exponatnummern beim Leser eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der nur im Katalog abgebildeten und der tatsächlich in der Ausstellung zu findenden Objekte erzeugen[7]. Leider sind die im Katalog gebotenen Stücke in der Tat nicht deckungsgleich mit den in der Ausstellung gezeigten Exponaten, sodass etwa der in einer Vitrine des Landesmuseums ausgestellte berühmte Siegelring König Childerichs I. im Katalogband nicht zu finden ist[8].

Resümierend kann festgehalten werden, dass der vorgestellte Band trotz der angesprochenen Monita wie auch die Ausstellung viele Perspektiven aufs Frühmittelalter öffnen und Lust machen, sich mit der Thematik oder Einzelaspekten weiterführend zu beschäftigen. Dies trotz der Tatsache, dass die im Band verzeichnete ‚Weiterführende Literatur‘ (S. 203-205) oftmals nur veraltete Hinweise bietet[9]. Die kleine, aber feine Ausstellung im LVR LandesMuseum, welche noch bis zum 25. August 2019 besucht werden kann, besticht durch ihre ausgesuchten und eindrucksvollen Exponate sowie aufwändig produzierten Begleitfilme, wenn sich auch einige Schwächen des Katalogs, wie von Rechtschreibfehlern durchsetzte und teils fehlende oder fehlerhafte Objektbeschreibungen, hier und im Begleitheft wiederfinden. Insgesamt wäre es angesichts des verantwortlich zeichnenden Verbandes namhafter Museen und Institutionen eher angebracht gewesen, statt eines Begleitheftes und eines umfangreichen Bandes, bei dem es sich per Definition nicht um einen Katalog, sondern einen Begleitband handelt[10], einen (klassischen) Katalog im eigentlichen Sinne zu produzieren. Beispielhaft kann der Katalog zur vielbeachteten Gurlitt-Ausstellung gelten, welche ebenfalls in mehreren Museen (Kunstmuseum Bern sowie Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Bundeskunsthalle) Bonn, zuletzt im Berliner Gropius Bau) bei unterschiedlicher Bestückung mit Exponaten zu bestaunen war, aber trotzdem alle gezeigten Stücke umfassend kommentierte und verzeichnete[11].

Europa in Bewegung. Lebenswelten im frühen Mittelalter, hrsg. v. Gabriele Uelsberg u. a., aus dem Engl. übs. v. Karin Schuler u. Andreas Thomsen, Darmstadt 2018, wbg Theiss, 208 S., 29,95 €. ISBN 978-3-8062-3828-0.

 


[1] Connecting Early Medieval European Collections, https://www.cemec-eu.net/, aufgerufen am 15.01.2019. COBBRA Network, http://www.allardpiersonmuseum.nl/en/collections-research/research-projects/cobbra-network%5B2%5D/cobbra-network.html, aufgerufen am 15.01.2019.

[2] Lediglich acht Beitragende zum Katalog sind ausgewiesene Mediävisten.

[3] Die Urkunden Otto des III., hrsg. v. Theodor Sickel (MGH Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser 2, 2), Hannover 1893 (ND München 1980), S. 876f. Einen Überblick über diese vielschichtige Frage nach der maskulinisierten Namensform verschaffen: Stieldorf, Andrea, Die Siegel der Herrscherinnen. Siegelführung und Siegelbild der „deutschen“ Kaiserinnen und Königinnen, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 64 (2000), S. 1-44, hier 2f.; Huschner, Wolfgang, Transalpine Kommunikation im Mittelalter. Diplomatische, kulturelle und politische Wechselwirkungen zwischen Italien und dem nordalpinen Reich (9.-11. Jahrhundert) (MGH. Schriften 52), Hannover 2003, bes. Bd. 1, S. 131 m. Anm. 503f.

[4] https://ec.europa.eu/programmes/creative-europe/, aufgerufen am 17.01.2019.

[5] Stellvertretend für die von ihm auch im Rahmen der Kampagne „Brains for Brexit“ vertretenen Positionen sei angeführt: Abulafia, David, Eine Entscheidung für die Demokratie. Gastbeitrag zum Brexit, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2016, https://www.faz.net/aktuell/brexit/gastbeitrag-zum-brexit-eine-entscheidung-fuer-die-demokratie-14292886.html, aufgerufen am 17.01.2019. Ders., The EU is in thrall to a historical myth of European unity, in: The Telegraph, 26.02.2015 oder zuletzt Shipman, Tim, Brainy Brits come out for Brexit, in: The Times, 18.02.2018, https://www.thetimes.co.uk/edition/news/brainy-brits-come-out-for-brexit-g2f23ddsf, aufgerufen am 17.01.2019. Teilweise finden sich diese Thesen auch im Katalogbeitrag wieder. Etwa S. 137: „Was wir heute Europa nennen, war sehr zersplittert, und es wäre sicher ein schwerwiegender Fehler, anzunehmen, dass damals eine »europäische Identität« aufkam – falls es so etwas überhaupt je gegeben hat.“

[6] Besonders stößt dabei die Abbildung zweier illuminierter Kanonestafeln aus einem stark zerstörten äthiopischen Pergamentkodex auf, dessen ohnehin schon lädierte Seiten offenbar zur Anfertigung des Fotos von zwei Plastikfederzwingen und der Hand eines Mannes auseinandergedrückt werden. Ein im Rahmen der Restaurierung unter konservatorischen Gesichtspunkten erstelltes, qualitativ hochwertiges Farbdigitalisat des Kodex‘, bei dem es sich um den jüngeren, aus dem 6. bis 10. Jahrhundert stammenden Band der so genannten äthiopischen Garima-Bibelhandschriften handelt, ist jedoch problemlos etwa beim Virtual Hill Museum & Manuscript Library abrufbar, weshalb die Auswahl anderen Bildmaterials für den Katalog eher angebracht gewesen wäre. Vgl. https://w3id.org/vhmml/readingRoom/view/132896, aufgerufen am 16.01.2019.

[7] Ebenso ist es aufwändig, sich die Leihgeber der einzelnen Objekte über den Bildnachweis (S. 207f.) selbst erschließen zu müssen. Abhilfe versucht da ein dankenswerterweise vom LVR-LandesMuseum Bonn herausgegebenes Begleitheft zu schaffen. Einsehbar unter: https://landesmuseum-bonn.lvr.de/de/ausstellungen/europa_in_bewegung/standardseite_11.html, aufgerufen am 17.01.2019.

[8] Exponatnummer in der Bonner Ausstellung: 23.2. Vgl. auch im Begleitheft der Ausstellung, S. 72.

[9] Als Beispiel mag der zum heiligen Martin von Tours gebotene Titel (S. 204) dienen: Stancliffe, Clare E., St. Martin and his hagiographer. History and miracle in Sulpicius Severus, Oxford 1983. Man hätte stattdessen auf den Band der Bonner Althistorikerin Judith Rosen, Martin von Tours. Der barmherzige Heilige, Darmstadt 2016 verweisen können, welcher wie auch der hier rezensierte Band bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (Verlag Philipp von Zabern) erschienen ist.

[10] Im Vorwort als „Katalog“ definiert. Vgl. S. 7.

[11] Bestandsaufnahme Gurlitt. “Entartete Kunst” – Beschlagnahmt und verkauft, Kunstmuseum Bern. Der NS-Kunstraub und die Folgen, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, München 2017.

 

Zitierweise:
Jansen, Tobias: „Europa in Bewegung. Lebenswelten im frühen Mittelalter.Katalog… oder doch Begleitband?“, in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 22.01.2019, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2019/1/Europa-in-Bewegung

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Tobias Jansen

Studierte Geschichte sowie Kunstgeschichte u. Archäologie (B.A.) und Mittelalterliche Geschichte (M.A.) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seit 2016 Promotion zu einem Thema der niedersächs. Landesgeschichte (Bistum Verden (Aller)). Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl f. Mittelalterliche Geschichte, Bonn. "Bönn'scher Jung" und Historischer Grundwissenschaftler.
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Über Tobias Jansen

Studierte Geschichte sowie Kunstgeschichte u. Archäologie (B.A.) und Mittelalterliche Geschichte (M.A.) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seit 2016 Promotion zu einem Thema der niedersächs. Landesgeschichte (Bistum Verden (Aller)). Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl f. Mittelalterliche Geschichte, Bonn. "Bönn'scher Jung" und Historischer Grundwissenschaftler.

7 Kommentare zu “„Europa in Bewegung. Lebenswelten im frühen Mittelalter“ Katalog… oder doch Begleitband?


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    AvatarT. Kemper

    Wer die falsche politische Meinung hat, soll heute also möglichst nicht mehr publizieren – selbst er Professor in Cambridge ist und Fellow der British Academy: “Warum es darüber hinaus im Falle dieses durch das Creative Europe Programme der Europäischen Union[4] kofinanzierten Bandes eines Beitrags des erklärten Brexit-Befürworters und EU-Kritikers David Abulafia (Professor of Mediterranean History, Cambridge University) bedarf (S. 128-137)[5], ist unverständlich …”


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      Tobias JansenTobias Jansen Post Author

      Da wurde der in der Rezension monierte Hinweis wohl missverstanden. Es geht in keinster Weise um die Diskriminierung einer politischen Meinung. In fachlicher Hinsicht verfügt Herr Abulafia sicher nicht umsonst über internationales Renommee, wenn auch seine Forschungen, wie etwa die sehr kritisch besprochene Biographie zu Kaiser Friedrich II. (engl. 1988, dt. 1994), auch in dieser Hinsicht sehr unterschiedlich aufgenommen worden sind (vgl. Deutsches Archiv 47 (1991), S. 290 f.). Es erscheint schlicht vonseiten der Herausgeber des rezensierten Bandes etwas unüberlegt, einen Autoren, welcher der Europäischen Union in der gegenwärtigen Gestalt mit vermeintlich „geschichtlichen“ Argumenten ihre Daseinsberechtigung abspricht, in einem Band, welcher auf Verbindende Elemente Europas abzielt, publizieren und seine kruden Ideen verbreiten zu lassen, und ihn dafür aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch zu bezahlen. Eine kritische Sicht auf das Wesen Europas, eine echte Meinung, sieht anders aus als die pseudo-wissenschaftlichen Ansichten des Herrn Abulafia. Dass hingegen unterschiedliche Sichtweisen und Interpretationen eines solch langen Zeitraums, wie desjenigen, welcher in Begleitband und Ausstellung in den Blick genommen wurde, auch schon einmal gegeneinander laufen, liegt in der Natur der Dinge und ist wünschenswert und erforderlich. Wo kämen wir denn hin, wenn wir in der Zunft der Historiker immer einer Meinung wären?!


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        AvatarT. Kemper

        Interessant. Soll heißen: Wer die EU in ihrer gegenwärtigen Gestalt kritisch sieht oder ablehnt, der hat nur “vermeintliche Argumente”, “krude Idee”, keine “echte Meinung” (also eine unechte? eine falsche?) und ist “pseudo-wissenschaftlich”.
        Eine Ausstellung zu gestalten, um gerade politisch aktuelle (und “korrekte”) Themen wie “Vielfalt, Migration und Kulturkontakte gab es schon immer und sind wichtig” zu adeln, ist aber natürlich eine richtige Meinung, wissenschaftlich etc. – Ist es nicht gerade eine – ich zitiere – “krude Idee” und “pseudo-wissenschaftlich”, wenn man versucht, eine Wissenschaft wie hier die Archäologie und Frühmittelaltergeschichtsforschung in den Dienst der Politik (welcher auch immer) zu stellen?


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          AvatarL. Cornely

          Offenbar haben Sie sich entschieden, den Beitrag im DA, auf den Herr Jansen verweist, nicht zur Kenntnis zu nehmen. Kommen denn noch fundierte Argumente oder beschränken Sie sich darauf, wörtliche Zitate aneinanderzureihen und aus dem Kontext zu reißen?


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            AvatarT. Kemper

            Was hat die kritische Aufnahme der Friedrich-II-Biographie, siehe DA 1991, damit zu tun, dass es etwas eigenartig erscheint, die Aufnahme eines Beitrags von Abulafia in einen Ausstellungs-/Begleitband 2018/19 damit zu kritisieren, dass der Verfasser ein “erklärter Brexit-Befürworter und EU-Kritiker” sei? Inwiefern disqualifiziert die politische Einstellung in Bezug auf Brexit und EU Herrn Abulafia, sich über das Frühmittelalter zu äußern? Wenn, dann wüsste man gerne konkret, was der Rezensent inhaltlich an Abulafias Beitrag auszusetzen hat, außer der Mitteilung, eine “Irritation” zu verspüren. Insofern warte ich da noch auf fundierte Argumente des Rezensenten, was Abulafia denn inhaltlich falsch oder diskussionswürdig darstellt.
            Bei einer Führung durch die Ausstellung wurde implizit dieser Tage übrigens mehrfach auf die “Pirenne-These” zurückgegriffen und der Wegfall von Handelskontakten mit der arabischen Expansion erklärt.


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            AvatarT. Kemper

            Man sollte übrigens annehmen, dass Abulafia wegen seiner vor wenigen Jahren veröffentlichten Monographie über das Mittelmeer als Kontakt- und Konfliktraum fachlich ausreichend qualifiziert ist, um als Autor für den Ausstellungsband angefragt zu werden:
            David Abulafia: „Das Mittelmeer“. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Michael Bischoff. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013. 960 S.

            Man hätte als Leser der Rezension gerne erfahren, was an Abulafias Beitrag inhaltlich falsch oder fragwürdig ist; und wenn er die Pirenne-These aufgreift, dann vermutlich auf der Grundlage einer nicht ganz kurzen Beschäftigung mit der Geschichte des Mittelmeerraumes.

            Warum als Argument gegen Abulafia aber dessen Beitrag in der FAZ angeführt wird (immerhin wieder Abulafias politischer Einstellung eine ganze Fußnote gewidmet), der weder mit Mittelmeer noch mit Frühmittelalter zu tun hat, erschließt sich in keiner Weise. Aber der Herr Rezensent weiß ja auch schon ein mangelndes “Bewusstsein über Subjektivität und Objektivität in den Geschichtswissenschaften” zu diagnostizieren.


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          Tobias JansenTobias Jansen Post Author

          Ich glaube, Sie verdrehen hier ein paar Dinge. Ganz abgesehen davon, dass die Praxis, Textbestandteile aus ihrem Zusammenhang zu nehmen, fraglich ist. Es scheint leider kein Bewusstsein über Subjektivität und Objektivität in den Geschichtswissenschaften zu bestehen. Eine Diskussion über die Inhalte des Begleitbandes zur Bonner Ausstellung ist das leider nicht mehr!

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