Frühneuzeitliche Friedensstiftung in landesgeschichtlicher Perspektive Bonn, 18./19. September 2017

Die traditionelle landesgeschichtliche Herbsttagung in Bonn widmet sich in diesem Jahr in programmatischer Weise den drei Säulen des 2016 neu gebildeten Lehrstuhls für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte der Universität Bonn: Der Epoche der Frühen Neuzeit, der Rheinischen Landesgeschichte und der Historischen Friedensforschung.
Ausgangspunkt für die inhaltliche Konzeption der diesjährigen Tagung war der Befund, dass die Historische Friedensforschung angesichts der vielgestaltigen Konflikte der gegenwärtigen Staatenwelt gefragter denn je ist. Gerade die Frühe Neuzeit bietet aufgrund einer extrem hohen Kriegsdichte zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Erforschung der Frage, wie in der Vergangenheit konkret Frieden hergestellt wurde. Zentrale Aspekte frühneuzeitlicher Friedensstiftung wie Mediation, Verhandlungstechniken und -sprachen, aber auch begriffsgeschichtliche Analysen und Fragen der symbolischen Kommunikation sind in der jüngeren Geschichtswissenschaft bereits intensiv diskutiert worden. Eher in zweiter Reihe stand bislang allerdings die landesgeschichtliche Verortung der erzielten Befunde; hier besteht zweifellos noch großer Forschungsbedarf. Ziel der Tagung ist es daher, in territorial und europäisch vergleichender Weise entsprechende Perspektiven der Landesgeschichte auszuloten.
Folgende Leitfragen bilden den Ausgangspunkt:
Zur Methodik: Wie lassen sich in methodischer Hinsicht die Erforschung der Praktiken und Auswirkungen internationaler Friedensstiftung (Makroebene) mit der landesgeschichtlichen Ebene (Mikroebene) verbinden? Welche Perspektiven eröffnet der vergleichende Blick auf die europäischen Nachbarn für die deutsche Landesgeschichtsschreibung (und vice versa)?
Zu den frühneuzeitlichen Friedenskongressen und -schlüssen: Welche Transferprozesse (politischer, wirtschaftlicher, kultureller, sozialer und konfessioneller Art) setzten Friedenskongresse und -schlüsse in Gang und inwieweit waren die betreffenden Kongressstädte hiervon geprägt? Inwiefern bildeten speziell die Rheinlande und Westfalen Verhandlungsgegenstände auf den europäischen Friedenskongressen? Wie wurden die lokalen Verhältnisse von den Diplomaten wahrgenommen und wie wurde die Anwesenheit auswärtiger Gäste vor Ort von der einheimischen Bevölkerung empfunden (Fremd- und Differenzerfahrungen)?
Zu den Folgen frühneuzeitlicher Friedensstiftung: Welche konkreten Auswirkungen hatte die Umsetzung von internationalen Friedensschlüssen auf lokaler und regionaler Ebene und welche konkreten Veränderungen brachten die frühneuzeitlichen Friedensschlüsse mit sich? Welche innerterritorialen und -städtischen Mechanismen der Friedensstiftung und Konfliktregulierung setzten sich in der Frühen Neuzeit durch und wie ist der Faktor Konfession in diesem Kontext zu veranschlagen? Inwiefern waren die Normen, Praktiken und Auswirkungen der Friedensstiftung im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation durch Wechselwirkungen zwischen Reichs- und territorialer Ebene geprägt? Welche Rolle spielte die frühneuzeitliche Friedensstiftung im Hinblick auf die lokale und regionale Erinnerungskultur?
Die Tagung der Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte des Instituts für Geschichtswissenschaft findet statt in Verbindung mit dem Verein für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande und in Kooperation mit dem LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte sowie dem Zentrum für Historische Friedensforschung der Universität Bonn. Ein Tagungsbericht auf der Plattform H-Soz-Kult von Jonas Bechtold ist vorgesehen. Das Programm der Tagung finden Sie hier: Einladung_Herbsttagung_2017.

Mehr Informationen zur Tagung und den Vortragenden finden Sie hier: Abstracts_Lebenslauf_Herbsttagung 2017.

 

Zitierweise:
Rohrschneider, Michael: Frühneuzeitliche Friedensstiftung in landesgeschichtlicher Perspektive. Einladung zur Herbsttagung am 18. und 19. September 2017, in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 25.08.2017, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2017/08/herbsttagung2017/

Prof. Dr. Michael Rohrschneider

Prof. Dr. Michael Rohrschneider

ist seit Oktober 2016 Professor für Frühe Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte an der Universität Bonn.
Prof. Dr. Michael Rohrschneider
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