Presse als historische Quelle II Printmedien als historische Quellen aus fachwissenschaftlicher Sicht

Abstracts zur zweiten Sektion der Tagung in Bonn am 13.09.2016.

Dr. Alexander Friedmann:

Das Rheinland in der Sowjetpresse der 1970er Jahre

Nach dem Zweiten Weltkrieg befasste sich die sowjetische Presse intensiv mit der Bundesrepublik Deutschland, die als Schlüsselstaat Westeuropas wahrgenommen wurde. In den 1950er Jahren bauten die Telegraphenagentur der UdSSR (TASS) und das KPdSU-Zentralorgan Pravda („Wahrheit“) ihre Büros in Bonn auf. Die Pravda, TASS und weitere sowjetische Medien verbreiteten das Feindbild der USA-hörigen „kapitalistischen“, „neofaschistischen“ und „revanchistischen“ Bundesrepublik und gingen in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung des Rheinlands auf.

Im ersten Teil meines Beitrages wird das Profil der in Bonn akkreditierten sowjetischen Journalisten herausgearbeitet. Die durch die innen- und außenpolitische Lage in der UdSSR und Bundesrepublik sowie durch den Stand der sowjetisch-westdeutschen Beziehungen maßgeblich geprägte, in der Forschung kaum beachtete sowjetische Berichterstattung über das Rheinland wird anschließend am Beispiel der Auseinandersetzung mit der Rheinmetropole Köln beleuchtet.

 

Dr. Jürgen Peter Schmied:

Chancen und Herausforderungen pressegeschichtlicher Forschungen am Beispiel des Journalisten Sebastian Haffner

Sebastian Haffner war einer der interessantesten und schillerndsten deutschen Publizisten des 20. Jahrhunderts. 1907 in Berlin geboren, begann er seine journalistische Laufbahn beim Ullstein Verlag und emigrierte 1938 nach Großbritannien, wo er seit 1942 für die renommierte Wochenzeitung The Observer arbeitete. 1954 kehrte Haffner nach Deutschland zurück. Dort schrieb er zunächst Artikel für die Tageszeitung Die Welt und die protestantische Wochenzeitung Christ und Welt, später war er als Kolumnist für die Illustrierte Stern und die Studentenzeitschrift Konkret tätig. Offiziell bereits im Ruhestand, veröffentlichte Haffner seit Ende der 1970er Jahre mehrere sehr erfolgreiche Geschichtsdarstellungen, allen voran die 1978 erschienenen Anmerkungen zu Hitler.

Nach einer kurzen Vorstellung von Sebastian Haffners Leben und Wirken werden anhand der persönlichen Rechercherfahrungen des Referenten Nutzen und Vorteile digitaler Medienarchive erörtert. Vor allem vier Problemfelder pressehistorischer Forschungen sollen – auch in ihrer Bedeutung für weiterführende Erkenntnisse – in den Blick genommen werden:

  1. die Recherche nach Beiträgen und ihre Datierung
  2. die Ermittlung von Reaktionen auf Veröffentlichungen
  3. die Analyse redaktioneller Eingriffe und Entwicklungen
  4. die Gesamtauswertung eines Presseorgans beziehungsweise die Erkundung des journalistischen Umfelds.

 

Maximilian Kutzner M.A.

Die Geschichte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Einblicke in ein Forschungsprojekt

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung war ein bundesdeutsches Leitmedium im vor-digitalen Zeitalter. Hinter ihrer Gründung stand die Absicht, die Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung der Nachkriegszeit populär zu machen. In den 1960er Jahren wuchs die Zeitung zu einem international renommierten Blatt. Auf die Bedeutung der F.A.Z. in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Debatten ist in der Geschichtswissenschaft bereits vielfach verwiesen worden. Als historische Quelle nimmt die sie unter den deutschen Tageszeitungen daher eine herausragende Rolle ein.

In scharfem Kontrast dazu steht Erforschung ihrer eigenen Geschichte. Bisher liegt noch keine Gesamtdarstellung zur Historie der Zeitung vor, die von der Gründung 1949 bis in die Gegenwart reicht. Einer der Gründe für dieses Forschungsdesiderat ist die Quellenlage zum Thema. Das interne Archiv der Zeitung ist bisher nicht zugänglich für externe Arbeiten zur Geschichte der F.A.Z. Bei ihrer medienhistorischen Erforschung bedarf es daher unterschiedlicher quellentechnsicher Zugriffe über Privatnachlässe, Bestände aus Partei-, Firmen- oder Vereinsarchiven sowie Zeitzeugengesprächen, um ihre historische Berichterstattung kontextualisieren zu können. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die historische Bedeutung der F.A.Z. für Medien, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu beleuchten.

 

Christoph Kaltscheuer

Christoph Kaltscheuer

Studierte in Bonn Mittelalterliche und Neuere Geschichte, Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und Öffentliches Recht ∙ Arbeitete in verschiedenen Projekten beim Landschaftsverband Rheinland und dem Landesarchiv NRW ∙ Derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TH Köln ∙
Promoviert über Flugpublizistik zum Jülich-klevischen Erbfolgestreit.
Christoph Kaltscheuer
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http://histrhen.landesgeschichte.eu/2016/09/presse-als-historische-quelle-ii/

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