„Fort, fort von hier! Nach Nord-Amerika!“ Auswanderung aus Koblenz im 19. Jahrhundert

Vortrag von Michael Koelges, Boppard

Die momentane Debatte über die Wanderungsbewegung in Richtung Europa, das Asylrecht und darüber, ob Deutschland ein Einwanderungsland sei und wieviel Zuwanderung die Gesellschaft verkraften könne, verdeutlicht die Aktualität des Themas Auswanderung, dem Michael Koelges, Leiter des Koblenzer Stadtarchivs, sich in seinem Vortrag widmet. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Deutschland in den vergangenen Jahrhunderten vielen Migranten Zuflucht gewährt hat. In unserem Raum ist die Gründung der Stadt Neuwied im Jahr 1653, deren zugewanderte Bürger den verschiedensten christlichen Konfessionen angehörten, ein Beispiel für gelungene Integration, die einen wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge hatte. Verarmte Händler und Handwerker aus Oberitalien hingegen suchten im 18. Jahrhundert im Rheinland ihr Glück. Andererseits kehrten viele Deutsche aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen ihrer Heimat den Rücken. Im 18. Jahrhundert waren Südosteuropa oder das russische Wolgagebiet wichtige Ziele.

Im 19. Jahrhundert übten vor allem Nord- und Südamerika eine große Anziehungskraft aus. Der erste feststellbare Koblenzer Nordamerika-Auswanderer ist Jakob Pretz, der im September 1732 mit Frau und zwei Söhnen in Philadelphia eintraf. Nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 – in deren Verlauf das unbedingte Recht auf Auswanderung als eine politische Hauptforderung erhoben wurde – waren es vornehmlich politische Gründe, die zur Emigration führten, während mit der Depression nach den „Gründerjahren“ (ab ca. 1875) ein wirtschaftlicher Faktor Hauptursache für das Verlassen der Heimat war. Nicht nur „gescheiterte Existenzen“, sondern auch Angehörige höherer sozialer Schichten machten sich auf den Weg in Richtung Amerika, so z. B. ein Sohn des bekannten Bauinspektors und Denkmalpflegers Johann Claudius von Lassaulx.

Im Zentrum des Vortrags stehen die Vorgänge nach 1850, die anhand konkreter Koblenzer Auswandererschicksale verdeutlicht werden. Dabei wird auch das Phänomen der Rückwanderung in die Heimat vorgestellt, denn eine Auswanderung konnte aus den verschiedensten Gründen auch scheitern.

Im Anschluss an den Vortrag ab 19:30 Uhr Gesprächsrunde im Café – Restaurant „Adaccio“, Firmungsstraße 2/Josef-Görres-Platz. Auch Nichtmitglieder des VGKM sind herzlich willkommen! Weitere Informationen zu den öffentlichen Veranstaltungen des VGKM an jedem ersten Dienstag im Monat finden Sie unter www.landeshauptarchiv.de und www.vgkm.de.

 

Dienstag, 6. September 2016
18.00 Uhr
Landeshauptarchiv Koblenz
Karmeliterstraße 1-3, 56068 Koblenz

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VEREIN FÜR GESCHICHTE UND KUNST DES MITTELRHEINS

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Seit über einhundert Jahren steht der Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e.V. für die Vermittlung der geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Vergangenheit der Region an Rhein und Mosel.
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