Katholiken, Lutheraner und Reformierte in Aachen 1555–1618 Konfessionskulturen im Zusammenspiel. Von Thomas Kirchner

Die Veröffentlichung der 2013 an der RWTH Aachen angenommenen Dissertation von Thomas Kirchner gliedert sich – neben Einleitung und einem abschließenden Ergebniskapitel – in zwei thematische Blöcke, die das trikonfessionelle Zusammenspiel zwischen Katholiken, Lutheraner und Reformierten in der Reichststadt Aachen aus zwei Perspektiven her angehen:

Die erste arbeitet die innerstädtischen politischen Auseinandersetzungen chronologisch zwischen 1524 bis 1616 auf. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und stellt die Vorgeschichte für die erste protestantischen Ratsmehrheit von 1581-1598 detailliert dar. Auf kaiserlichen Befehl zwischenzeitlich wieder mit katholischen Ratsherren besetzt, kam es 1611-1614 erneut zu einer protestantischen Ratsmehrheit, nach der die Protestanten dauerhaft zur Minderheit und von der politischen Partizipation ausgeschlossen wurden. Diese Vorgänge werden detalliert mit einer besonderen Gewichtung auf den Akteuren dargestellt. Der zweite Teil trägt den Titel „Zusammenleben einer Bürgergemeinde und drei Konfessionskulturen im Zusammenspiel“, der neben der Aachener Obrigkeit die Zünfte, Gaffeln und Konfessionskirchen analysiert und versucht, deren Anteil und Positionen zu gewichten. Das Buch wird von einem Personen- und Sachregister beschlossen.

Die Arbeit zeigt, dass es sich immer lohnt, (vermeintlich) Bekanntes aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Kirchner arbeitet insbesondere die Bemühungen um eine friedliche und auf Dauer angelegte Koexistenz der Konfessionen heraus und unterscheidet sich damit von einem Großteil der Literatur zur Aachener Stadtgeschichte. Doch das ist nicht alles: Die causa aquensis stand lange Zeit im Fokus des Reiches und hielt das nördliche Rheinland im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert in Atem. Dieser „Hot Spot“ konfessioneller Spannungen und in vielerlei Hinsicht richtungsweisend für den Umgang der drei größten Konfessionen miteinander, die in vielen rheinischen Städten in höchst unterschiedlicher Ausprägung existierten.

Die Darstellung der causa aquensis ist lesenswert und bietet einen interessanten und detaillierten Zugang zur Aachener Stadtgeschichte. Gleichzeitig wird eine wichtiges frühneuzeitliches Ereignis der Rheinischen Landesgeschichte neu interpretiert. Bedauerlich sind lediglich einige Rechtschreib- und Formatierungsfehler.

 

Thomas Kirchner: Katholiken, Lutheraner und Reformierte in Aachen 1555–1618. Konfessionskulturen im Zusammenspiel (Spätmittelalter, Humanismus, Reformation 83), Tübingen 2015, Mohr Siebeck, 507 S., 94,00 €. ISBN 978-3-16-153634-2

 

 

Zitierweise:
Hermel, Jochen: Katholiken, Lutheraner und Reformierte in Aachen 1555–1618. Konfessionskulturen im Zusammenspiel. Von Thomas Kirchner, in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 02.02.2016, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2016/02/rezension-kirchner-aachen/

 

Jochen Hermel

Jochen Hermel

Studierte in Bonn Mittelalterliche und Neuere Geschichte, Historische Geographie und Geschichtliche Landeskunde der Rheinlande
∙ Arbeitete in verschiedenen Projekten an der Universität Bonn und am Historischen Archiv der Stadt Köln
∙ Promoviert über die Heimlichen Evangelischen Gemeinden in Köln in der Frühen Neuzeit.
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