Ein „Rheinländer und Weltdeutscher“ Ein Buchtipp

PaquetMit „Der Weltdeutsche. Eine Biographie Alfons Paquets“ will Oliver M. Piecha den Rheinländer Alfons Paquet aus seinem „Fußnotendasein“ (S. 11) befreien.

Alfons Paquet, geboren in Wiesbaden, war Journalist, Schriftsteller und ein intellektueller Zeitzeuge des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und der NS-Diktatur. Diese Biographie beschreibt aber auch einen Schwarzfahrer der Transsibirischen Eisenbahn, einen Chinaexperten, den Knallzeugen des Unglücks des Dampfers General Slocum und einen Reisenden der im Bau befindlichen Bagdadbahn. Einen Zeitungskorrespondenten in Stockholm während des Ersten Weltkrieges, der vom revolutionären Russland in das revolutionäre Deutschland zurückkehrt und einen reflektierten und tiefen Einblick in die junge Weimarer Republik hatte. Durch die Rheinbesetzung nach dem Ersten Weltkrieg richtete sich sein Schaffen auf das Rheinland, denn „beim Thema Rhein blieb Paquet ganz und gar nicht leidenschaftslos“ (S. 104). Der überzeugte Rheinländer gründete 1925  den „Bund Rheinischer Dichter“ und trat aus Protest gegen die Nationalsozialisten aus der Preußischen Akademie der Künste 1933 aus. Darüber hinaus hatte er Kontakte zum Widerstand (S. 364).

Nicht nur durch diese Veröffentlichung wurde Alfons Paquet in den letzten Jahren ein gutes Stück aus den Fußnoten befreit.[1] Oliver M. Piecha hat eine umfassende Biographie vorgelegt, die kompakt, informativ und zugleich verständlich verfasst ist. Besonders die Reisekapitel sind minutiös und mit einer Rastlosigkeit geschrieben, die den Lesenden zu einem aufmerksamen Reisebegleiter Paquets macht. Bei der Vielzahl der verfolgten Spuren wäre lediglich neben dem guten Personenregister ein Ortsregister wünschenswert gewesen. Am Ende des Buches bleibt vor allem die Lust, sich mit Paquets Schriften selbst zu beschäftigen, wozu das vollständige Verzeichnis seiner Buchveröffentlichungen einlädt (S. 486-488).

Das Leben und Wirken Paquets ist interessant und spannend. Doch diese Biographie ist noch aus einem anderen Grund empfehlenswert: Man hat nämlich hier die seltene Chance auf die Sichtweise eines Intellektuellen, der als Zaungast die Epizentren deutscher Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einzuordnen wußte. Die Biographie über Alfons Paquet bietet eine einzigartige Perspektive auf die für das Rheinland prägende Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

 

[1] Weitere Informationen dazu finden Sie unter der vom Biographen eingerichteten Webseite: http://www.alfonspaquet.de

 

Zitierweise:
Hermel, Jochen: Ein „Rheinländer und Weltdeutscher“. Ein Buchtipp, in: Rheinische Geschichte – wissenschaftlich bloggen, 02.05.2017, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2017/05/rheinlaender-und-weltdeutscher/

Jochen Hermel

Jochen Hermel

Studierte in Bonn Mittelalterliche und Neuere Geschichte, Historische Geographie und Geschichtliche Landeskunde der Rheinlande
∙ Arbeitete in verschiedenen Projekten an der Universität Bonn und am Historischen Archiv der Stadt Köln
∙ Promoviert über die Heimlichen Evangelischen Gemeinden in Köln in der Frühen Neuzeit.
Jochen Hermel
Diesen Eintrag twittern.
Diesen Eintrag auf Facebook posten.
Diesen Eintrag auf Google+ posten.
http://histrhen.landesgeschichte.eu/2017/05/rheinlaender-und-weltdeutscher/

Kommentar zu “Ein „Rheinländer und Weltdeutscher“ Ein Buchtipp

  1. Pingback: Kultur-News KW 18-2017 | Kultur - Geschichte(n) - Digital

Kommentar verfassen