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„Die jüdische Perspektive auf Restitution“

Antisemitismus begegnet uns in jüngerer Zeit, ganz besonders jedoch in diesen Tagen, zunehmend nicht nur als nationales, sondern als internationales wenn nicht gar transnationales Phänomen, das eine ungeahnte Wucht zu entfalten imstande ist. Bereits vor den terroristischen Exzessen der Hamas am 7. Oktober 2023 und den darauf folgenden Reaktionen trat hier und dort tatsächlicher oder je nach Lesart vermeintlicher Antisemitismus öffentlich in Erscheinung, sei es im Fall der „antisemitischen Schlagseite der Documenta“[1], sei es im Fall des Sängers und Pink-Floyd-Mitbegründers Roger Waters[2] oder der Rapperin Nura[3]. Seit dem 7. Oktober 2023 reicht das Phänomen von antisemitischen Auswüchsen im öffentlichen Raum in Deutschland,[4] in der Mitte der Gesellschaft – beispielsweise im Sport[5] –, Antisemitismus in den „Sozialen Medien“[6], dem Vorwurf einer tendenziösen Berichterstattung zuungunsten Israels in renommierten internationalen Medien[7], antiisraelischen „Hacktivisten“[8] bis hin zu antisemitischen Haltungen und Aktionen an Hochschulen[9]  und im Bereich der Künste[10] auf nationaler wie internationaler Ebene. Dabei zeigte sich – während der „klassische“ Antisemitismus der politischen Rechten stets auf dem „Monitor“ blieb[11] – Antisemitismus auch von Gruppen, die man bisher wenig bis gar nicht im Blick hatte oder haben wollte, wenn es sich um das Thema „Antisemitismus“ handelte: Gruppen der (radikalen) Linken, ausländische Organisationen, religiös motivierte Zusammenschlüsse, feministische Akteurinnen, antirassistische und postkoloniale Gruppierungen sowie Gruppen, die sich für Diversity einsetzen.[12]

Während die Politik ein entschiedeneres Vorgehen gegen jegliche Form des Antisemitismus einforderte,[13] kamen öffentlich wahrnehmbare Aktionen, die sich solidarisch mit den Angegriffenen zeigten, nur schleppend in Gang, blieben an Teilnehmerzahlen häufig hinter den Erwartungen und den „propalästinensischen“ Demonstrationen zurück und wurden mitunter von privater Hand organisiert.[14]

Dass eine Kritik an der aktuellen Regierung des Staates Israel bei gleichzeitiger Solidarität zum israelischen Staat und seiner Bevölkerung möglich ist, beweisen demokratisch und rechtsstaatlich gesinnte Akteure auch in diesen Tagen immer wieder aufs Neue.[15] Auch die Kirchen finden deutliche Worte der Kritik am Vorgehen der israelischen Regierung respektive des israelischen Militärs im Gaza Streifen.[16]

Allzu oft jedoch werden die Bedingungen vergessen, unter welchen die Bevölkerung Israels jahrelang und besonders nach dem 7. Oktober 2023 noch immer leben muss: täglicher Raketenbeschuss, Attentate, Morddrohungen und Auslöschungsphantasien, über 200.000 Menschen aus ihren Gemeinden und Wohnungen in Nähe des Gaza-Streifens aber auch von der Nordgrenze zum Libanon weg ins „Landesinnere“ evakuiert, viele traumatisiert.[17] Hinzu kommt ein weltweit spürbar zunehmender Antisemitismus, der sich auch in Deutschland immer wieder Bahn bricht.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Phänomen des Antisemitismus ist jedoch unterentwickelt und desideratreich.[18] Umso wichtiger, dass das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen im Rahmen der begleitenden Veranstaltungsreihe zur Ausstellung „Hinter den Bildern. Spurensuche im Archiv“ am 5. Dezember 2023 am Standort Duisburg auch einen Vortrag zur Situation der jüdischen Gemeinden in Deutschland, namentlich im nordrheinischen Landesteil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, anbieten konnte, der – um es vorwegzunehmen – wesentlich mehr Zuspruch verdient gehabt hätte als die vor Ort anwesenden knapp 20 Interessierten. Allerdings verfolgten etwa zehn Personen[19] den Vortrag parallel online im Echtzeit-Stream.[20]

Die Leiterin der am Standort Duisburg ansässigen Abteilung Rheinland des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen, Martina Wiech, verwies im Rahmen ihrer einleitenden Begrüßung auf den Dokumentarfilm „Reckonings“, der die Rolle der jüdischen Organisationen im Zusammenhang mit dem Zustandekommen des Luxemburger Abkommens[21] beleuchtet.[22]

Die Referentin, die Kunsthistorikerin Inna Goudz, leitet seit 2020 die Geschäftsstelle des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein K.d.ö.R., eines Zusammenschlusses acht Jüdischer Gemeinden in der Region Nordrhein des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen (LVJGNR).[23] Die Vortragende stellte zunächst ihre Gemeinde vor, um anschließend jüdische Perspektiven auf das Thema der Restitution zu skizzieren. Auf die Provenienzforschung im engeren Sinne legte Goudz den Schwerpunkt ihres Vortrags ausdrücklich nicht, zumal sich mit diesem Aspekt andere Vorträge der Veranstaltungsreihe befassten.

Zunächst wurde dargelegt, dass aktuell etwa 200.000 Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland lebten, wovon ca. 90.000 in Jüdischen Gemeinden organisiert seien. Mit Ausnahme der liberalen (progressiven) Gemeinden seien alle Landesverbände und Jüdische Gemeinden Körperschaften des öffentlichen Rechts. In Nordrhein-Westfalen gebe es aktuell vier jüdische Verbände, welche jüdische Gemeinden und Menschen jüdischen Glaubens repräsentierten: den Landesverband Nordrhein, den Landesverband Westfalen-Lippe, die Synagogen-Gemeinde Köln sowie den Landesverband progressiver jüdischer Gemeinden Nordrhein-Westfalen. Die Hauptaufgabe des Landesverbands lasse sich wie folgt zusammenfassen: Er sei „das Ohr nach innen und der Mund nach außen“. Dies bedeute konkret, a) die Jüdischen Gemeinden zu stärken, also den Kontakt zu den Landes- und Kommunalbehörden, zur Politik, zu den Kirchen, herzustellen, den interreligiösen Dialog zu pflegen, das Sozialwesen zu fördern und zu professionalisieren, die religiöse Arbeit vor Ort zu unterstützen; b) den Nachwuchs zu fördern, also für Bildung und Jugendarbeit Sorge zu tragen; c) Werte zu vermitteln, was sich namentlich auf den Sektor der Kultur beziehe; d) das jüdische Erbe zu bewahren, was vornehmlich in Form der Friedhofspflege geschehe.

Grundsätzlich müsse man von jüdischen Einheitsgemeinden ausgehen, die verschiedene religiöse Ausprägungen unter einem Dach vereinten, von einer liberalen bis hin zu einer orthodoxen Ausrichtung. Dieses Konzept der jüdischen Einheitsgemeinden stamme aus preußischer Zeit. In aller Regel orientierten sich diese Gemeinden an der orthodoxen Ausrichtung, da dies den meisten (potenziellen) Mitgliedern am ehesten eine Zugehörigkeit ermögliche, während orthodox ausgerichtete Jüdinnen und Juden für eine Integration in liberale Gemeinden kaum zu gewinnen seien.

Eine wichtige Zielsetzung sei die Vermittlung einer jüdischen Identität, wohingegen die Stiftung einer jüdischen Identität nicht Ziel sei und schlussendlich auch gar nicht funktionieren könne. Der Vermittlung jüdischer Identität dienten unter anderem die Jüdischen Kulturtage, die es – als Festival – erstmals im Jahr 1998 gegeben habe. Im Jahr 2002 sei dieses Veranstaltungsformat dann bereits größer ausgefallen, um seither alle vier Jahre stattzufinden, zuletzt im Jahr 2019 mit 220 Veranstaltungen in 15 nordrhein-westfälischen Städten an 17 Veranstaltungstagen. Der Landesverband organisiere ferner Talks und gebe ein eigenes Magazin heraus.

Die acht Jüdischen Gemeinden im Landesverband Nordrhein mit knapp 15.400 Gemeindemitgliedern seien Träger von fünf sozialen Einrichtungen: zwei Kindergärten in den Jüdischen Gemeinden Duisburg und Düsseldorf – in Düsseldorf sei dies mit 260 Plätzen die größte Kita der Stadt –, einer Grundschule und einem Gymnasium in Düsseldorf – das Albert-Einstein-Gymnasium sei das einzige jüdische Gymnasium im Land Nordrhein-Westfalen –, sowie einem Elternheim – also einem Seniorenheim –, ebenfalls in der Landeshauptstadt.[24]

Die Aufgabe der Friedhofspflege werde für die 150 in Eigentum des Landesverbands Nordrhein befindlichen jüdischen Friedhöfe von Emmerich am nordwestlichen Niederrhein bis in die Eifel hinein wahrgenommen. Dies bedeute, dass Friedhöfe und Grabsteine gepflegt würden. Eigentümer seien die Jüdischen Gemeinden.

Gut 90 Prozent der heutigen jüdischen Bevölkerung seien in den 1990er Jahren aus der (ehemaligen) UdSSR ins Land gekommen. Eine Folge dieser historischen Konstellation sei die Tatsache, dass viele dieser Menschen gegenwärtig von Altersarmut bedroht seien, da ihr Altersdurchschnitt bei der Einreise bei etwa 45 Jahren gelegen habe und in der Bundesrepublik Deutschland folglich nicht genug Lebensarbeitszeit habe gesammelt werden können, und daher zahlreiche Betroffene in einem Lebensalter von ca. 65 Jahren in die Grundsicherung „gerutscht“ seien. Als Hauptsprachen seien in den Gemeinden Deutsch, Russisch und Hebräisch gebräuchlich, so auch in den jüdischen Bibliotheken vor Ort.

Der Themenkomplex der Restitution fächere sich aus jüdischer Sicht in Deutschland in drei Hauptfelder auf: Justiz, Wissenschaft und Moral. Als Leitfrage von Restitution fungiere die Frage: „Wer soll was in welcher Form zurückbekommen“? Hierbei sei im Wesentlichen zu unterscheiden zwischen a) Privatgeschädigten (Überlebenden) und b) erbenlosem Eigentum.

In den 1950er Jahren habe die Jewish Claims Conference[25] neue Dynamik und neue Perspektiven in die Verhandlungen rund um das Thema der Restitution eingebracht. Allerdings brachte die Referentin auch die Tatsache zur Sprache, dass die jüdischen Organisationen und Vertretungen auf Seiten der deutschen Behörden häufig nicht auf großes Wohlwollen gestoßen seien. Mitunter seien auf Behördenseite dieselben Akteure tätig gewesen wie in den Jahren vor 1945. Hinzu seien innerjüdische Auseinandersetzungen gekommen, so etwa der Vorwurf gegenüber den jüdischen Menschen in (West-)Deutschland, sich im Land der Täter (re-)etablieren zu wollen.

Nach einer erfolgten Restitution, so Goudz in ihren weiteren Ausführungen, sei in der Regel keine weitere Provenienzforschung erfolgt, da nicht diese, sondern eben die Restitution als solche das Ziel gewesen sei.

Ein zentrales Archiv für die nach 1945 respektive 1949 entstandenen Unterlagen gebe es in Heidelberg, während für die Zeit vor 1945 kein zentrales jüdisches Archiv existiere, sondern seitens der Forschung allenfalls Privatarchive konsultiert werden könnten. Jüdische Institutionen/Verbände respektive Organisationen seien selbst nicht in der Forschung tätig, allerdings beauftrage man Forschung, die gegebenenfalls aus Drittmitteln finanziert werde.

Abschließend präsentierte die Vortragende einige Denkanstöße: So plädierte sie dafür, künftig häufiger als bislang die Perspektive der Erben einzunehmen. Zwar gebe es immer weniger Erben, doch gründeten diese nicht selten Stiftungen oder ähnliche Einrichtungen, die ebenfalls zu berücksichtigen seien. Letztlich erlösche das einst begangene Unrecht im Prinzip nie, was der aktuelle Diskurs um den Kolonialismus sowie die Rückführung von geraubter Kunst beziehungsweise Kultobjekten anschaulich vor Augen führe. Auf Anfrage aus dem Plenum hin empfahl Goudz den Vertretern der Provenienzforschung, den Kontakt zu den von einem zu untersuchenden Fall jeweils betroffenen Familien zu suchen. Die Claims Conference vertrete jedenfalls ausschließlich Überlebende, ausschließlich jüdische Menschen. Der Präsident des Landesarchivs, Frank M. Bischoff, stellte im Rahmen der Abschlussdiskussion die Frage nach einem Bewusstsein auf Seiten der Jüdischen Gemeinden und ihrer Mitglieder für ein künftiges Interesse an der Erforschung der eigenen Geschichte und zielte mit der Frage insbesondere auf die Überlieferungsbildung sowie die künftige Quellenlage ab, zumal es keine gesetzliche Verpflichtung zur Anbietung respektive Abgabe von Unterlagen an das Zentralarchiv in Heidelberg oder das Centrum Judaicum gebe. Die Referentin stimmte dem zu und erwiderte, dass die jüdischen Verbände und Gemeinden ihre Akten durchaus an das Zentralarchiv abgäben; bei den einzelnen Gemeindemitgliedern sei dies jedoch wesentlich unsicherer. Dies sei eine weitgehend noch offene Frage.

Die nächste Veranstaltung in der Reihe ist der Vortrag zum Thema „Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum an der westlichen Grenze des Deutschen Reiches und der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt“ von Dr. Marcus Leifeld am 16. Januar 2024 um 18:00 Uhr im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen.[26]

Eine Übersicht über alle Termine der Veranstaltungsreihe finden Sie im Flyer.

 


[1] Art. „In medias res“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 289 (12. Dezember 2023), S. 13; ferner mit hiervon abweichender Akzentuierung Art. „Probe aufs Exempel“, in: junge Welt Nr. 227 (29. September 2022), S. 11, sowie Art. „Gemeinsam lernen“, in: junge Welt Nr. 304 (30. Dezember 2022), S. 10.

[2] Vgl. hierzu Art. „On the road“, in: junge Welt Nr. 75 (29. März 2023), S. 11.

[3] Vgl. Art. „Posiert mit ,Free Palestine‘. Pro Sieben lädt die Rapperin Nura aus Late-Night-Show aus“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 236 (11. Oktober 2023), S. 13.

[4] Vgl. Sina-Maria Schweikle, Auf der Seite der Hamas. In Berlin feiern Palästinenser die Attacken auf Israel, in: Süddeutsche Zeitung Nr. 232 (9. Oktober 2023), S. 9; Hubertus Knabe, Wie eine Brigade des Teufels. Antisemitische Schmierereien verängstigen Juden und verstören die Öffentlichkeit, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 287 (9. Dezember 2023), S. 16.

[5] Vgl. Mina Marschall, „Wir brauchen Aufklärung, wir brauchen Bildung“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 266 (15. November 2023), S. 28.

[6] Vgl. Art. „Plattform X weicht aus. Zahlreiche Desinformationen zu Hamas-Angriff“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 238 (13. Oktober 2023), S. 22; Marcus Jung/Maximilian Sachse, Der schleppende Kampf gegen die Propaganda, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 242 (18. Oktober 2023), S. 22; Maximilian Sachse, Mit großer Macht, in: ebd., S. 22; Miguel de la Riva, Judenhass geht viral. Antisemitische Inhalte fluten die sozialen Medien, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 261 (9. November 2023), S. 13; Art. „EU-Kommission leitet Verfahren gegen Nachrichtendienst X ein“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 295 (19. Dezember 2023), S. 17; Moritz Baumstieger, Geteiltes Leid, in: Süddeutsche Zeitung Nr. 295 (22. Dezember 2023), S. 11. Jakob Hessing, Vom Krieg der Bilder, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 289 (12. Dezember 2023), S. 11, konstatiert: „Seit Langem weist die Stimmungsanalyse auf den wachsenden Antisemitismus in den deutschen sozialen Medien hin“.

[7] Für den Fall der britischen BBC vgl. etwa Gina Thomas, Vorschnell gegen Israel, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 287 (9. Dezember 2023), S. 18.

[8] Vgl. Haya Shulman/Michael Waidner, Israel muss sich auch im Internet verteidigen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 252 (30. Oktober 2023), S. 18.

[9] Vgl. zum Antisemitismus-Vorwurf an Hochschulen und Universitäten Winand von Petersdorff, Keinen Cent für Hamas-Versteher, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 242 (18. Oktober 2023), S. 20; René Pfister, Hass in Harvard, in: Der Spiegel Nr. 47 (18. November 2023), S. 20-22; Art. „Harvard stärkt Claudine Gay“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 291 (14. Dezember 2023), S. 12; Art. „Rücktritt mit Kontext. Harvards Präsidentin Claudine Gay gibt auf“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 3 (4. Januar 2024), S. 5; Patrick Bahners, In Harvard verstolpert. Offiziell grundlos: Der Rücktritt der Präsidentin, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 3 (4. Januar 2024), S. 11.

[10] Vgl. Markus Ströhlein, Kapitulation des Denkens, in: konkret 12/2023, S. 43. Zum Streit im PEN Berlin über die Israel-Frage vgl. Julia Encke, Wo endet die Toleranz?, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 294 (18. Dezember 2023), S. 9; Art. „Freie Wortwahl“, in: junge Welt Nr. 294 (18. Dezember 2023), S. 11. Zu „documenta fifteen“ und dem indonesischen Künstlerkollektiv ruangrupa, der antiisraelischen Boykottkampagne BDS sowie einem „naiven Postkolonialismus“ als „Orte“ der Manifestation antisemitischer Einstellungen und Stereotype vgl. Konstantin Nowotny, Kulturbetrieb, in: Nicholas Potter/Stefan Lauer (Hrsg.), Judenhass underground. Antisemitismus in emanzipatorischen Subkulturen und Bewegungen, Berlin, Leipzig 2023, S. 84-99.

[11] Vgl. etwa jüngst Maik Tändler, Schönhubers Fanpost. NS-Vergangenheit, populistische Wut und antisemitisches Ressentiment vor den Republikanern, in: Archiv für Sozialgeschichte 63 (2023), S. 223-253, hier besonders Kap. V „,…daß diese Leute nie versöhnt werden können‘ – das Ressentiment gegen die Juden“, S. 246-249.

[12] Vgl. hierzu etwa Richard Schuberth, Zittere, Zion!, in: konkret 12/2023, S. 12-15; Stefan Gärtner, Judenhass raus, in: konkret 12/2023, S. 20f.; Markus Wehner, Pilzsammler und ein Waffenlager, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 298 (22. Dezember 2023), S. 4; Lucien Scherrer, Das ignorierte Antisemitismusproblem von Black Lives Matter, in: Neue Zürcher Zeitung (Internationale Ausgabe) Nr. 278 (29. November 2023), S. 12. Geradezu divinatorischen Charakter besitzt eine Textpassage in Nicholas Potter/Stefan Lauer, Intro, in: dies. (Hrsg.), Judenhass underground. Antisemitismus in emanzipatorischen Subkulturen und Bewegungen, Berlin, Leipzig 2023, S. 7-20, hier S. 8: „Antisemitismus boomt. Mal wieder. Auch in Subkulturen und Bewegungen, die ein emanzipatorisches Selbstbild kultivieren. Punk oder Techno, Hiphop oder Hardcore, Klimabewegung oder queere Community: Diverse Szenen im mehr oder weniger linken Spektrum haben nicht nur Schwierigkeiten, ihn beim Namen zu nennen. Leute, die sich sonst auf der ,richtigen Seite‘ der Geschichte wähnen, können oder wollen Antisemitismus oft beim besten Willen nicht erkennen. Mehr noch: Gerade mithilfe von Antisemitismus stilisieren sie sich als ,die Guten‘ – durch Songtexte gegen geldgierige Globalisten und die mächtigen Rothschilds, durch Boykottkampagnen gegen den ,Kindermörder Israel‘. Judenhass geht auch underground. Das macht ihn nicht weniger gefährlich“.

[13] Vgl. Art. „Innenminister fordern mehr Härte gegen Antisemitismus“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 287 (9. Dezember 2023), S. 4.

[14] Vgl. Julia Schaaf, Ein sichtbares Zeichen der Solidarität, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 287 (9. Dezember 2023), S. 11.

[15] Vgl. etwa Peter Sturm, Fragen an Netanjahu, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 300 (27. Dezember 2023), S. 1; Reinhard Müller, Was alle angeht, in: ebd., S. 1; ausgesprochen israelkritisch dagegen: „Kritik an Israels Politik ist kein Antisemitismus“. Israelis und Palästinenser zusammen aktiv für Dialog und Versöhnung. Ein Gespräch mit Rotem Levin und Osama Eliwat, in: junge Welt Nr. 290 (13. Dezember 2023), S. 8.

[16] Vgl. Christian Meier, „In Gaza liegt Gott heute unter Trümmern begraben“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 300 (27. Dezember 2023), S. 3.

[17] Vgl. Thorsten Schmitz, Weiter leben, in: Süddeutsche Zeitung Nr. 296 (23.-26. Dezember 2023), S. 11-13; Heike Schmoll, Schule in schweren Zeiten, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 300 (27. Dezember 2023), S. 3.

[18] Vgl. Art. „Israelforschung stärken. Aktionsplan der Wissenschaftsminister“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 287 (9. Dezember 2023), S. 4.

[19] Mündliche Auskunft der Veranstalter.

[20] Auch weiterhin online abrufbar unter https://www.youtube.com/watch?v=OoMjD3m1yc4 (Abruf vom 09.01.2024).

[21] Vgl. hierzu Annette Hinz-Wessels/Markus Würz, Luxemburger Abkommen, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-gruenderjahre/erinnerung-und-wiedergutmachung/luxemburger-abkommen.html (Abruf vom 10.01.2024).

[22] Vgl. hierzu https://reckoningsfilm.org/ (Abruf vom 09.01.2024).

[23] Vgl. hierzu https://www.lvjgnr.de/ (Abruf vom 10.01.2024).

[24] Vgl. hierzu Jörg Janssen, Elternheim in Düsseldorf. Jüdische Gemeinde baut in Düsseldorf neue Wohnungen für Senioren, in: Rheinische Post online, 28.11.2020, unter: https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/juedische-gemeinde-in-duesseldorf-baut-neue-wohnungen-fuer-senioren_aid-54850361 (Abruf vom 09.01.2024; Abruf des Artikels ggf. nur als Abonnent möglich).

[25] Vgl. hierzu http://www.claimscon.de/ (Abruf vom 09.01.2024).

[26] Nähere Informationen hierzu unter https://www.archive.nrw.de/landesarchiv-nrw/landesarchiv-nrw-abteilung-rheinland/vortrag-das-wallraf-richartz-museum-und-der (Abruf vom 10.01.2024).

 

Zitierweise:
Schlemmer Martin: „Die jüdische Perspektive auf Restitution“Bericht zum Vortrag von Dr. Inna Goudz am 5. Dezember 2023 im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Standort Duisburg”, in: Histrhen. Rheinische Geschichte  wissenschaftlich bloggen, 12.01.2024, http://histrhen.landesgeschichte.eu/2024/01/juedische-perspektive-auf-restitution